- Eine Geschichte-







Mit Ehrfurcht verließ ich die Heiligen Hallen des Ordens. Raschen Schrittes dem Ausgang zu, hinaus in Riens Reich. Es Dämmerte, Zwielicht lag über dem Land. Laut riefen die Tiere des Waldes erwartungsvoll den Anbruch der Nacht an.
Ich war aufgewühlt. Beeindruckend war die erste Begegnung mit dem Hochgeweihtem des Ordenszweiges der Herrin Rien verlaufen. Es ward mir, als ob mir dieser mit seinen smaragdgrünen Augen bis hinab in meine Seele geblickt hatte, als er mich lange, ohne ein Wort zu sagen, angesehen hatte. Doch ward sein Blick nicht unangenehm oder beängstigend gewesen, nein. Ich würde ihn eher gütig und verständnisvoll nennen, ein langes, entbehrungsreiches Leben, das eines Elben und Geweihten, ward in Ihnen zu bemerken, und doch vermittelten sie eine Freude und Harmonie, wie ich sie nur selten je gesehen hatte. Er sagte mir, ich solle ihm von mir erzählen, von meinem Leben, von meinen Wünschen, was mir in den Sinn käme.
Nun, ich war einigermaßen überrascht, kam aber der Aufforderung nach, zuerst kamen meine Worte langsam und zögerlich, doch im Laufe meiner Erzählungen sprudelten die Sätze schneller aus mir heraus, die Zurückhaltung viel von mir ab und unbekümmert erzählte ich dem Hochgeweihtem über mein Leben. Er unterbrach mich nicht ein einziges Mal, blickte mich während der ganzen Zeit an und ließ auch keine sonstige Regung merken. Nur in seinen Augen war stets Bewegung und Aufmerksamkeit, wie ich erkannte.
Als ich geendet hatte, schloß er langsam die Augen und verharrte so. Es schien mir eine endlos lange Zeit zu verstreichen, als er seine Augen plötzlich wieder öffnete und mich lächelnd ansah. Er erhob sich von dem Stuhl auf dem er gesessen hatte und so tat ich es ihm gleich. Dann kam er leichten unhörbaren Schrittes auf mich zu, blieb bis auf einen Schritt vor mir stehen und sprach.
„Komme morgen zur selbigen Zeit in den Tempel. Bringe eine Blüte des weißen Baumes mit Dir und lege sie auf den Altar in der Halle der Herrin. Verweile nicht und säume nicht“. Dann verließ er wortlos den Raum.
Nun und so ging ich nun nach Hause, immer noch die Worte des Geweihten in meinen Kopf. Warum hatte er mir nicht gesagt, ob ich nun würdig wäre, den Weg eines Novizen im Tempel der Rien zu beschreiten? Warum hatte er mir eine derart sinnlose Aufgabe gestellt? Was wollte der Geweihte mit der Blüte anfangen und wieso wies er mich an, nicht zu säumen? Nun, ich konnte die Antworten nicht finden und so tat ich, wie mir geheißen worden war und brachte die Blüte des weißen Baumes am nächsten Tag in die heilige Halle Riens und legte sie auf den Altar. In dessen Mitte fand ich ein Pergament von edler Verarbeitung mit meinem Namen darauf, ich nahm es und las es eilig durch. Es war ein Schreiben, des Hochgeweihten und er verlangte auf diesem von mir, einige frische Blätter des weißen Baumes zu bringen. Diese sollte ich morgen um die selbige Zeit abermals auf den Altar legen. Langsam ging ich wieder nach Hause. Was bezweckte der Hochgeweihte nur mit diesen Aufgaben? Weswegen schickte er mich Blätter und Blüten sammeln? Keine Antwort auf meine Fragen findend kam ich am der Taverne vorbei, als ich meinen Freund Rufus traf, der stets viel im Lande herumkam um in den Städten mit seinen Waren Handel zu treiben. Er rief mich zu sich, ich sollte ihm doch Beistand leisten, da sich sein Krug so allein fühle und sich nach etwas Gesellschaft sehne. Ich lachte, sagte ihm aber, daß sich sein Krug einen anderen Gefährten suchen müsse, denn ich wollte nach Hause um für den morgigen Tage ausgeruht zu sein. So lehnte ich dankend ab und ging heim.
Am nächsten Tage nahm ich abermals den weiten Weg zu dem weißen Baum auf mich, um die Blätter zu besorgen, wie es der Wille des Hochgeweihen war. Abermals ging ich kurz vor Einbruch der Dämmerung zum Tempel um die Blätter auf den Altar zu legen. Die Blüte, welche ich am Vortage auf diesen gelegt hatte, ward verschwunden, jedoch abermals ein Pergament mit meinem Namen versehen lag auf dem Altar.
Ich las es und fand meine nächste Aufgabe, ich sollte einen starken Trieb des weißen Baumes morgen um die selbe Zeit auf den Altar legen. Wollte mich dieser Geweihte narren, indem er mich jeden Tag immer wieder zu diesem Baum trieb und mich Dinge holen ließ, die ich doch hätte gleich am ersten Tage erledigen können. Ich fühlte Zorn in mir hochsteigen, ließ das Pergament auf den Altar herabfallen und verließ die Halle. Doch tat ich wie mir geheißen und brachte auch den Trieb zu dem Altar.
Nicht das ihr denkt, meine Aufgabe wäre damit erfüllt gewesen, weit gefehlt. Es erwarteten mich weitere Aufträge, ich sollte etwas Harz des Baumes, etwas Erde aus weit entfernter Gegend, etwas Wasser aus einem bestimmen Fluß holen. All dies tat ich, und ich wurde ungeduldig und Unverständnis und Wut kämpften in mir. Nun ward ich dazu angehalten worden, ein bestimmtes Pulver zu besorgen, welches aus den Wurzeln einer seltenen Pflanze gewonnen wurde, und fast vor Wut platzend ging ich heim. Am nächsten Tag stand ich mit denselben schlechten Gefühlen in mir wallend auf, und begab mich auf den Weg das Pulver zu besorgen. Der Weg wurde mir besonders lang an diesem Tag und nichts schönes konnte ich ihm abgewinnen, mißmutig schritt ich dahin. Doch ich bekam das Pulver schließlich und trat die Heimreise an. Am späten Nachmittag kam ich wieder bei der Taverne vorbei und als ich schon fast vorüber war, rief mich Rufus’ Stimme. „Heda, wie siehst Du denn heute aus“? Er lachte, als er mich sah, staubig, verschwitzt und Müde. „Los, komm rein alter, ich geb’ dir eine Runde Lebenssaft aus“. Er lachte abermals und zog mich am Arme herein. Meine Gedanken drehten sich und mich überkam ein Gefühl der Antriebslosigkeit. Ich folgte Rufus und wir tranken, wie wir es in den alten Zeiten getan hatten. Die Zeit verstrich, als wir über frühere Begebenheiten plauderten und uns Geschichten aus unserem Leben erzählten.
Doch wehe mir, beim ersten Hahnenschrei wurde mir gewahr, daß ich gesäumt hatte. Das Pulver, welches ich bei mir hatte, es hätte am Vorabend vor Beginn der Dämmerung auf dem Altar in der heiligen Halle Riens sein sollen. Vor meinen Augen drehte sich alles, als mir mein Versäumnis mit einem Schlag ins Bewußtsein getrieben wurde. Ich stand auf, wankte zur Tür, stieß sie auf und rannte, so gut ich es vermochte, den Weg zum Tempel der Herrin. Als ich endlich am Tempel ankam, waren meine Gedanken schon wieder fast klar, und mein Herz klopfte, ob meiner Verfehlung, jede Wut oder Unverständnis ward in dem Moment von mir gewichen. Eilig betrat ich die Halle Riens und fand den Hochgeweihten hinter dem Altar stehend, mich anblickend. Fast versagten mir die Knie, als ich ihn erblickte. Langsam und mit gesenktem Haupte näherte ich mich dem Altar. Dann blickte ich auf. Der Hochgeweihte sah mich ernst und traurig an. Eine Weile stand er so dann sprach er leise:“ Was hat Euch aufgehalten, den Willen der Herrin zu erfüllen“? Diese Worte, sanft gesprochen, sie drangen mir doch wie Nadelstiche tief ins Herz und Tränen traten mir in die Augen als ich mit zitternder Stimme stammelte:“ Ich wollte kommen, Herr.....ich ....ich war so.....ich weiß nicht warum.......bitte ich.......vergebt mir.......ich .....ich habe das Pulver.......bitte nehmt es.....“. Nach diesen mühsam hervorgebrachten Worten brach ich in ein schluchzen aus, und heiße Tränen rannen über meine Wangen hinab und fielen auf den Boden der Halle. Mit einem Blick, der mein Herz hätte sprengen können, sah mich der Geweihte an, steckte dann langsam den Arm aus und hielt mir die geöffnete Handfläche entgegen. Ich wußte sofort was er wollte und übergab ihm das Päckchen mit dem Pulver darin. Er nahm es wortlos, und ließ es in den Falten seiner Robe verschwinden. Sogleich sprach er:“ Findet Euch heute in sieben Tagen bei Morgengrauen hier ein“. Dann wandte er mir den Rücken zu und ein starkes Gefühl in mir, wies mich an zu gehen.
Oh, diese Tage. Sie waren die schlimmsten in meinem ganzen Leben. Ich verbrachte sie Großteils damit zu beten, und die Herrin anzuflehen, mir mein säumiges Verhalten zu vergeben. Kaum konnte ich in diesen Tagen schlafen, oder Nahrung zu mir nehmen, so aufgewühlt war meine Seele seit ich in so schrecklicher Art und Weise an der Herrin gefehlt hatte. Doch die Tage vergingen und so ward der siebte Tag angebrochen. Bereits beim ersten Hahnenschrei war ich hellwach, wusch mich, kleidete mich an und begab mich schweren Herzens auf den Weg zum Tempel. Nie schien mir der Weg so lange und mühsam gewesen, wie an diesem Tage, doch schließlich stand ich vor der heiligen Halle, aber es fehlte mir der Mut, einzutreten. Schließlich glitt meine Hand, wie von unsichtbarer Macht geführt zu dem Türring und ich öffnete langsam die große, schwere Tür. Dort stand der Hochgeweihte wieder, hinter dem Altar und eine festliche, wunderschöne Robe trug er auf dem Leib. Ehrfurchtsvoll und erstaunt trat ich näher, ungewiß dessen, was mich erwarten möge. Schließlich stand ich vor dem Altar und da bemerkte ich etwas auf diesem. In eine wundervoll gearbeitete Schale aus grünem Gestein, ward ein Schößling eines weißen Baumes gebettet, in feiner Erde und, was mich besonders erstaunte, mit Blüten bedeckt. Wunderschön ward er anzusehen, doch da entdeckte ich einen Zweig an dem Baum, der verdorrt und abgestorben schien. Ich runzelte die Stirn, voller Sorge um diesen schönen Schößling. Der Geweihte sah mich an und erhob dann seine Stimme.:“ So seid ihr also wiedergekehrt wie es Euch geheißen wurde.“ Ein leichtes Lächeln umflog seine Lippen, wie mir schien. „So wisset, Ihr habt die Aufgaben, die Euch gestellt wurden anfangs mit Ernst und Eifer zur rechten Zeit erfüllt, doch dann stieg Zweifel in Euch auf und fand fruchtbaren Boden in Eurem Herzen. Ihr zweifeltet an der Sinnhaftigkeit Eures Tuns und daher an der Sinnhaftigkeit Eures Glaubens und gleichermaßen an der Sinnhaftigkeit des Wortes der Herrin.“ Seine Worte durchzuckten mich wie Blitze und ich erkannte die Wahrheit darin. Er fuhr fort: „Dennoch seid ihr, trotz Eures Zweifels auf den rechten Wege zurückgekommen und habt Euer tun bitterlich bereut. So erkannte es die Herrin und so seht, was sie aus den Gaben, die Ihr Rien zugetragen habt werden ließ.“ Bei diesen Worten deutete er leicht mit der einen Hand auf den Schößling und in selben Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Ja, so ist es. Die Herrin nahm Eure Gaben und schenkte ihnen neues Leben, welches sich in diesem Schößling widerspiegelt. Und doch ist er mehr als er scheint, denn dies ist Euer Lebensbaum. Ihr seht, er mag schön sein, doch er ist an einer Stelle schwer erkrankt. Ihr wißt worauf diese Krankheit beruht?“ Ich nickte zitternd und Tränen strömten meine Wangen hinab. Ich war unfähig, auch nur ein Wort zu sprechen, betrachtete nur wie ein kleines Kind den Schößling. „So verzaget nicht, der Baum ist Krank, doch wo Krankheit ist, kann Heilung empfangen werden. Ihr müßt nur bereit sein, Euch diese Heilung zuteil werden zu lassen, indem ihr Euch selbst erkennt.“
Dann hob er die Arme vom Körper ab und sprach mit klarer melodischer Stimme:“ Die Zeit des Wartens und der Ungewißheit ist nun vorüber. Ihr seid auserwählt worden, fortan der Herrin zu dienen, Ihr die Treue zu halten, Ihr Eure Liebe zu schenken, Euren Körper, Geist und Seele ihrem Willen zu unterstellen und in ihm aufzugehen. Ihr werdet in den Orden der Ecclesia Elementorum dem Zweige der Herrin Rien aufgenommen, um die Ausbildung zu deren Priester zu erfahren. So seid ihr fortan Novize im Dienste Riens, seiet Euch dessen stetig gewahr.“ Dann senkte er die Arme und sah mich ernst aber gütig an.

Ich war bereits zu Anfang seiner Wort auf die Knie gesunken und blickte nun gebeugt und von der Flut meiner Gefühle geschüttelt zu Boden. Mit meinem ganzen Herzen verspürte ich eine Dankbarkeit der Herrin gegenüber, wie ich sie niemals zuvor empfunden habe.

Seit diesem Tage trachtete ich stets danach, meiner Pflicht mit all meiner Kraft und mit meinem ganzen Herzen nachzukommen und als der Frühling im nächsten Jahr ins Land kam, so blickte ich wieder auf den Schößling welcher bereits beträchtlich gewachsen war, und ich erkannte ein einzelnes, grünes Blatt an dem verdorrten Zweige und ich fiel mit Tränen in den Augen auf meine Knie und pries die Herrin.

 

 

 

 

 

 

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