- Die Geschichte des Ordens -
   
 
   
 
   

 

PROLOG

E s geschah zu der Zeit, als Tare durch das Wirken der elementaren Herren einen Wandel erfuhr, und zu dem wurde, wie wir es heute kennen. Die ersten Völker erwachten zum Leben, und in Ihrer Verbundenheit zu der Schöpfung der Herren lebten sie in Einklang mit dieser. Die Herren sahen dies mit wohlgefallen und es ward den Völkern durch die Liebe, die sie den Herren entgegenbrachten von diesen ein Geschenk geoffenbart. Jeder von Ihnen würde von den Völkern, nach Ihrem Gutdünken einen Vertreter erwählen, dem sie tiefe Einblicke in ihr Wesen und Wirken gewähren würden.

 

Tevra/Terra/Rien
[Zum Anfang]

Tevra, welche gemeinsam mit Tare die ersten der Elben erschuf, wählte Elarion Agrondhell, Sohn aus dem edlen Geschlecht der Hochelben, welcher in ganz besonderem Einklang mit der Schöpfung Riens stand. Seine Familie lebte, für Hochelben sehr abgeschieden, in einem kleinen Dorf tief in den Wäldern des Candelborn, nahe dem angrenzenden Meere. Seit der Zeit seiner Mannwerdung, trat er mit seinem ganzen Herzen und Tun für Rien ein, wo er nur konnte. Er wies auf die Gebote der Natur hin und die Bedeutung jener. Er verkündete sie dem Volke mit seinen wunderbaren Worten, die er stets fand, wenn er davon erzählte, so daß in den Herzen jener, die Ihm lauschten ein Tor aufgetan wurde, und sie sich öffneten für das wundervolle Wirken Tevras. Stets war er ein Mann, der sich von seinem Herzen leiten ließ, so traf er seine Entscheidungen zwar stets überlegt, aber letztendlich doch aus tiefstem Inneren. Schon als er ein kleiner Junge war, wußte man besondere Geschichten von Ihm zu erzählen. So begab es sich einst, daß Elarion in dem kleinen Kräutergarten seines Elternhauses stand, und die Bienen dabei beobachtete, wie sie von Blume zu Blume flogen. Völlig reglos stand er, nur seine Augen huschten flink dem Fluge der Blumenfreunde nach, als sie Ihre Arbeit verrichteten. Unermüdlich, von einem Kelch zum Anderen flog das fleißige Wesen. Betrachtete man das Gesicht Elarions, in dem ein Ausdruck von natürlichem Verstehen geschrieben stand, meinte man, als hielte er ein Zwiegespräch mit dem Wesen und als würde es ihm auf eine besondere Art und Weise erzählen, warum es schon von jeher diese Arbeit tat und welchen Zwecke es im Laufe seines Lebens zu erfüllen hatte. Sein Blick verklärte sich und der Anflug eines Lächelns huschte über seine edlen, ebenmäßigen und fein geschnittenen Züge, welche im Mannesalter seine ernste, jedoch schöne Erscheinung noch vertieften. In seinen smaragdgrünen Augen jedoch, lag ein Blick voller Unergründlichkeit und Tiefe, von Sanftmut und Willensstärke, von Liebe und Gerechtigkeit, daß jeder, der in diese blickte, sich in Ihnen verlor oder seinen Blick senkte. Und so erregte nun etwas anderes, gerade eben die Aufmerksamkeit des jungen Elarion. Eine kleine unscheinbare, etwas durchscheinend wirkende Gestalt schien ihn zu beobachten. Die Gestalt schien unruhig zu sein, die Blicke, mit denen sie Elarion musterte waren prüfend, als wollte sie versuchen abzuschätzen, ob das, was sie zu tun gedachte, das Richtige sei. Das Aussehen des Wesens war auf den ersten Blick nicht leicht zu beschreiben. Es war etwas elbenähnliches in seiner Erscheinung, betrachtete man seine feinen Gliedmaßen, die Form seiner Augen, die scharf geschnittenen, makellosen Gesichtszüge. Doch andererseits war sein gesamter Körper mit Haaren versehen, die in Ihrer Dichte einem Fell glichen. Auch die Form der Ohren, war eine etwas merkwürdige, liefen sie doch spitz zu, waren in deren Form aber ähnlicher denen eines Wolfes, als denen der Elben. Gleichsam verhielt es sich auch mit dessen Gliedmaßen. Fein und von Fell umgeben glichen die Handflächen fast Pfoten, obwohl es schien, als würde es durchaus fähig dazu sein, sich in aufrechter Haltung fortbewegen zu können. Die Füße des Wesens konnte man nicht sehen, da sie hinter dem Gesträuch verborgen waren, aber alles in allem war es eine wirklich bemerkenswerte Erscheinung, die es dem Betrachter bot. Elarion war fasziniert von dem, was er da erblickte, doch schien sein Gesicht unbewegt und er stand völlig reglos, nur seine Augen verrieten durch ein Funkeln sein ungeteiltes Interesse an diesem Wesen, dessen Art er noch nie zuvor erblickt hatte. Für einen Moment schien die Zeit rund um die Zwei zu entfliehen. Es ward, als wäre der Augenblick die Endlosigkeit, die sich schützend um die Gefühle und Gedanken dieser beiden legte, wie ein sanfter Hauch als würde sie sagen wollen. "Ihr habt nichts zu fürchten, Eure Gefühle, Euer Verstehen ist Zeitlos und uneingeschränkt in seinem Sein". So standen sie sich gegenüber, als versuchte jeder der Beiden nur durch die bloße Anwesenheit des Anderen dessen Wesen und Aufgabe erfassen zu wollen. Eine kurzes Nicken des Wesens und ein damit verbundenes Winken seiner pfotenähnlichen Hand ließ die Spannung zwischen Ihnen ein jähes Ende finden. Was mochte dies, ach so seltsam anzusehende Wesen nur von Elarion? In dem Augenblick, als Elarion sich diese Frage stellte, sah er sich auch schon die ersten Schritte in dessen Richtung tun, denn er wußte tief in seinem Inneren, daß er nichts von diesem zu befürchten hatte. Nahe trat er an dieses heran, welches immer noch an der selben Stelle verharrt war, an der Elarion es bemerkt hatte. Dann ließ er sich hinab in die Hocke sinken und sah dem Wesen aus nächster Nähe in die Augen. Ohne etwas zu sagen, blickte Elarion ihn an und empfing als Antwort einen Blick, der es Elarion ermöglichte auf eine besondere Art die Gedanken und Gefühle seines Gegenübers zu erfahren. Er wusste nicht, wie dies möglich sein konnte, war es sein Herz, sein Geist, die Ihm das Anliegen des Wesens offenbarten? Denn er meinte nun das Folgende zu vernehmen. "Elarion, Kind der Fey, der Freunde der Wälder. Du magst ob meiner Erscheinung verwundert sein, hast Du doch ein Wesen wie mich nie zuvor erblickt. Doch gibt es dafür gute Gründe." Es schien, als ob das Wesen lächeln würde. "Wir, die wir die Diener der Herrin Tevra sind, wie Ihr sie nennt, werden von Euren Augen nicht wahrgenommen, es sei denn wir lassen es zu. Doch ist das nicht im Sinne der Herrin, also bleiben wir Euch verborgen und wirken in unserem Dasein den Augen der Völker entzogen. Doch ist es nicht unser Ziel, Anerkennung für unsere Taten zu erheischen, alleine der Dienst im Willen der Herrin ist es, der uns erfüllt. Elarion, Du bist ein besonderer unter dem Volke der Fey, sage mir nun, was Du in mir siehst". Elarion wußte nicht, ob er die Worte sprach, oder sie nur dachte, aber sofort kam es ihm in den Sinn. "Du bist ein Wolf", brach es aus ihm hervor. Erstaunen lag in dessen Augen, dann huschte der Schatten eines Lächelns über seine Züge, als er schließlich ernst und respektvoll auf Elarion blickte. "Du sahest wahrlich mein Wesen, Kind der Fey. Ich bin jedoch kein Wolf, ich bin der Hüter aller Wölfe in diesem Walde. Schon lange bevor die Fey dieses Gebiet hier bewohnten, war ich bereits hier und sorgte für Ordnung innerhalb der Gesetzmäßigkeiten Tevras, die Ihrer Schöpfung zu eigen sind. Nie benötigte ich Hilfe für meine, mit anvertraute Aufgabe, bis zum heutigen Tag. Durch eine Unachtsamkeit ist es geschehen, daß zwei, mir anvertraute Wolfskinder Ihre Mutter verloren haben. Sie wurde getötet und ohne ihre Mutter, werden sie bald selbst dem Tode anheimfallen. Es liegt jedoch eine große Wichtigkeit darin, das Leben dieser Welpen zu erhalten. Im Kreislauf der Natur obliegt ihnen eine wichtige Aufgabe, sollen diese beiden doch in kommenden Jahren die Begründer eines starken Rudels sein. Durch meinen Fehler nun, ist der Bestand der Art in diesem Gebiete gefährdet worden und ich werde mein Fehlen der Herrin gegenüber zu verantworten haben. Doch wäre ich ein schlechter Hüter, würde ich nicht alle sich mir bietenden Möglichkeiten suchen, diesen Fehler wieder gut zu machen. Elarion, so bitte ich Dich um deine Hilfe. Nimm diese Welpen auf, sorge Dich um sie, als wärst Du ihre Mutter. Ich werde dich lehren, alles nötige, um diese Aufgabe zu erfüllen. Elarion, Du bist meine letzte Hoffnung, und die Zeit drängt, denn sie werden den heutigen Tage nicht mehr alleine überstehen können". Die Stimme des Wolfshüters verstummte, als sich sein Blick abwartend in den Elarions senkte. Für Elarion hingegen stand sein Entschluß bereits fest. Er war sogar überglücklich, die Möglichkeit zu bekommen, einen so wichtigen Dienst an Tevra und Ihren Geschöpfen tun zu können. Mit Freuden willigte er ein. Der Wolfshüter brachte ihn zu der Stelle, an dem die Wolfskinder noch friedlich schlummerten. Elarion nahm sie mit sich und zog sie mit Hilfe des Hüters auf, bis sie so weit waren, daß er sie sich selbst überlassen konnte. Zuerst waren seine Eltern verwundert, doch schon bald erkannten sie die Notwendigkeit in dem Tun ihres Sohnes und ließen ihn gewähren. Aus den Welpen wurden prächtige Wölfe und sie begründeten ein starkes Wolfsrudel, wie es der Hüter einst vorhergesagt hatte. Oft war er in der Zeit der Aufzucht bei Elarion um ihn zu unterstützen, ihn zu lehren und zu leiten, und nachdem die Aufzucht schließlich beendet war, stand er mit wehmütigem Ausdruck in seinem Gesicht vor Elarion. "Mein Herz ist schwer, werde ich Dich jetzt verlassen müssen, denn viel gibt es für mich zu tun und ich werde Dich nun lange nicht mehr sehen. Ich danke Dir für alles, was Du getan, Du hast es nicht nur für mich, sondern für die Herrin selbst getan und ihr Segen und Ihre Liebe wird über dich wachen. Doch werde ich Dir eines Tages, wenn einst Du bist herangereift zum Manne wieder begegnen, und Dir den Weg weisen, der Dich zu einem neuen Leben wird führen". Mit diesen Worten verschwand er im Walde, noch bevor Elarion etwas erwidern konnte. So verging die Zeit und es ergaben sich noch viele Gelegenheiten für Elarion, Tevra mit seiner Kraft und Überzeugung zur Seite zu stehen. Als die Jahre vergingen und Elarion zu Manne geworden war, geschah etwas, daß alles, in Elarions Leben verändern sollte. Als er eines Morgens in den lichten Wäldern seiner Heimat wandelte, bemerkte er ein ungewöhnliche Stille. Er war verwundert, waren doch die Wälder belebt von einer Vielzahl von Vögeln, die ihre fröhlichen Lieder sangen. Auch vernahm er stets Stimmen und Laute, welche den meisten anderen seines Volkes verborgen blieben. Doch an diesem Morgen ward es auch für seine Ohren still, und Unruhe wurde in ihm geweckt. Langsam schritt er weiter, stets aufmerksam seine Umgebung betrachtend und nach der Ursache suchend, die der Grund für diese Stille sein mochte. Da bemerkte Elarion eine Gestalt, die er sofort wiedererkannte, obwohl er sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war der Hüter der Wölfe, den er etwa ein Dutzend Schritt vor sich erblickte. Freudig schritt er auf ihn zu, doch als er sich schon bei Ihm wähnte, ward er plötzlich verschwunden. Da bemerkte er ihn, knapp zwei Dutzend Schritt in einer anderen Richtung stehend und ihm zuwinkend. Abermals lief er freudig auf Ihn zu doch abermals war er verschwunden, als Elarion die Stelle erreicht hatte. Diese Spiel wiederholte sich einige Male , bis Elarion merkte, dass der Wald sich verändert hatte. Auch der Hüter der Wölfe ward nun nicht mehr zu sehen. Der Wald wurde dichter und dunkler, weniger Sonnenlicht beschien den feuchten Waldboden. Da bemerkte er einen ungewöhnlich großen und massiven Baum, von dessen Art er bei seinen unzähligen Wanderungen nie seinesgleichen zuvor gesehen hatte. Ehrfürchtig trat er näher und betrachtet voll Staunen die riesenhaft wirkenden, knorrigen Wurzeln, welche zum Teil in einem Bogen aus der Erde ragten, um sich dann an anderer Stelle tief in ihr zu vergraben. Sein Blick glitt hinauf zu dem Stamm des Baumes und er sah die Rinde und zu seiner Überraschung war sie glatt und makellos, als wäre es ein junger, biegsamer Stamm zu dem sie gehörte. Das auffälligste an dem Stamm war jedoch, daß er weiß war. So glitt sein Blick empor in die Krone und er vermochte seinen Augen nicht zu trauen, als er sah, daß es silbrig schimmernde Blätter waren, die in der weitläufig verzweigten Krone, welche sich über alle anderen Bäume der Umgebung erhob, im frühen Sonnenlicht glitzerten. Rasch hielt er sich die Hand vor Augen, so geblendet war er, als das gebrochene Licht auf ihn herabfiel. Als er noch staunend vor Ehrfurcht dastand, bemerkte er, wie der Wind ein wenig auffrischte ihn erfaßte und sein Haar und Gewande von diesem ergriffen wurden. Er vermeinte leise Stimmen zu hören, als würde der Wind sie von ferne her an sein Ohr getragen haben. Während er den Stimmen lauschte, spürte er in dem Boden unter seinen Füßen sanfte Bewegungen, als würde etwas unter der Erdoberfläche dahingleiten sanft und wellenförmig fühle es sich an und er spürte, wie sich die Erde unter seinen nackten Füßen erwärmte. Mit offenem Munde stand er wie versteinert auf der Stelle und senkte seinen Blick auf den Boden unter ihm. Er konnte keine Veränderung an diesem erkennen, doch erhob sich nun ein langes, leises, wie von weiter Ferne herrührendes Grollen, welches jedoch in seiner Tiefe und Kraft sein Herz stocken ließ. Da erhob sich eine Stimme, als wäre der ganze Wald die Luft die Erde erfüllt von Ihr, als wäre sie allgegenwärtig. Sie drang ihn seinen Körper ein, und durch diesen hindurch, als wäre er nicht mehr als ein dünnes Pergament, daß durch die Kraft des Windes zerreißen mochte. Ohne noch Kontrolle über seinen Körper zu haben, sank er auf die Knie, das Haupt in Demut gesenkt, als die Worte in sein Innerstes drangen und sich in ihrer Bedeutung und Macht in seine Seele brannten, auf das sie stets gewahr in seinem Herzen bleiben würden. "Elarion, Du wurdest von der Herrin, welche Eurem Volke unter dem Namen Tevra bekannt ist, auserwählt. Unter allen Wesen, welche auf Tare wandeln ist es Dir geschenkt, den Segen zu empfangen, dem der Quell ihrer heiligen Kraft zu eigen ist. Du wurdest von Tevra auserkoren, Wegbereiter zu sein für alle Völker Tares, Ihnen von Tevra zu berichten sie zu Lehren Ihr Wirken, ihnen zu überbringen den Segen ihrer Schöpfung. Die Kraft, die Dir gegeben wird, wird Dir Offenbarungen schenken, welche zu erlangen Dir, durch Tevras heiligem Willen gewährt ist. Führe Dir die Tragweite dieses Geschenkes stets vor Augen, so mag deine Aufgabe Dich stetig leiten und Dir deinen Weg weisen, jetzt und auf immerdar. Du wirst nun in ein fernes Land namens Falandrien aufbrechen. Nun und ohne Begleitung wirst Du dieses Beschreiten. Es erwartet dich an der Küste deiner Heimat ein Boot, welches Dich an dein Ziel führen wird. Vertraue stets auf Tevra und Du wirst zu jeder Zeit den rechten Weg finden." Die Stimme erstarb und das Grollen in der Erde wurde leiser. Elarion, reglos auf seine Knie gesunken, hatte die Augen geschlossen. Er konnte kaum noch Atmen so intensiv war das Erlebte in ihn eingedrungen und hatte sein gesamtes Selbst erfüllt. Einen Augenblick verharrte er noch so, dann brach er reglos zusammen. Als seine Sinne wieder zu ihm zurückkehrten, erhob er sich langsam und blickte sich verwundert um. Er erhob seinen linken Arm und betrachtete mit Verwunderung ein, auf seiner geöffneten Handfläche liegendes Amulett in Form eines Viertelkreises. So edel und vollkommen ward es, daß er es behutsam in der Hand drehte und von allen Seiten betrachtete. Die Fläche des Amulettes schimmerte in einem satten Grün, doch konnte Elarion nicht bestimmen, welches Material für die Herstellung des Selbigen verwendet worden war. Als er mit seinen Fingern sanft darüber strich, ward es ihm als fühle er warme Erde und ein pulsierendes Leben in ihm. Seine Augenlider senkten sich etwas und er gab sich dem Gefühl hin, das er empfand. Es war, als würde er eingehüllt von einer Kraft, welche in diesem Kleinod lag, die nichts überwinden konnte, deren Bestehen ein ewiges war, als wäre sie eine der Säulen, die tragend war für alles Leben, welches je geschaffen. Mit einem Ausdruck tief empfundener Ehrfurcht schlossen sich langsam die Finger seiner Hand um dieses und dann steckte er es behutsam in eine Tasche seines Gewandes, nahe seinem Herzen. Er sah auf und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Der Baum, den er geschaut, als er diesen Platz betrat, ward verschwunden. Keine Spur, welche von seiner Existenz zeugte, ward zu finden, so sehr er es auch versuchte. Da kamen ihm wieder die Worte in sein Bewußtsein, welche er vernommen hatte, und er senkte sein Haupt, als er verstand. Er wandte schnell seine Schritte ab und ging eilig in sein Heim. Nur das Notwendigste nahm er mit sich, einen kleinen Beutel, gefüllt mit wertvollen Kräutern, und wenige Habseligkeiten, welche sich ihm bereits auf früheren Reisen als nützlich erwiesen hatten. Eilends schrieb er wenige Zeilen auf ein Pergament, in dem er den anderen seine Gehen zu erklären suchte. Dann verschwand er, ohne gesehen zu werden, seine Schritte gen das Meer gerichtet.

 

 

Ignis/Arkadon
[Zum Anfang]

I n etwa zur selben Zeit nahm Theogrim Zackenbart sein Frühstück zu sich. Eine, wie man bemerken konnte, wahrlich fürstliche Mahlzeit, wenn man bedachte, daß es sich um die Erste des heutige Tages handelte. Er genoß das Mahl, so wie jedes. Es ward ihm heilig und von nichts ließ er sich drängen oder aus der Ruhe bringen, wenn es darum ging, ein Essen zu beenden. Denn er wußte, wer ihm ein so festliches Mahl erst ermöglichte und aus diesem Grund alleine, ward es ihm ein Gebot, das dargebrachte zu ehren. Ignis ward es, der dem Volke der Zwerge als Arkadon bekannt war, dessen Flammen in der Feuerstelle aus einem Stück rohen Fleisch ein gar köstliches Mahl zaubern konnten. Obschon es eine Kunst ward, es so zuzubereiten, daß es weder inwendig noch roh, noch an der Außenseite verbrannt war. Und Theogrim war ein Meister dieser Kunst. Tagein tagaus praktizierte er sie und versuchte dieses und jenes Kräutlein beizugeben oder Sößchen zu komponieren um das Mahl damit zu verfeinern und damit zu einem wahrhaften Festessen zu erheben. Doch war das Kochen nicht Theogrims Hauptbeschäftigung, nein, eigentlich war er, sehr überraschend für einen Zwergen, Bergmann. Fast täglich führte ihn sein Weg tiefer hinein in das riesenhafte Bergmassiv, welches zugleich auch sein Heim ward. Denn weitläufig und von unglaublicher Pracht waren die steinernen Hallen, die einst von seinen Vorvätern in dem Berge errichtet worden waren. Strahlend hell lag die erste der größeren Hallen vor ihm, wenn er aus seinem Heim hinaustrat, denn in meisterhafter Arbeit hatten die Handwerker seines Volkes geschliffene Kristalle gearbeitet, in denen sich das Licht der Lampen und Fackeln tausendfach brach. Sogar die großen Haupt- und Versammlungshallen wurden so taghell erleuchtet, wenn es nötig ward. Majestätisch und von einer alles überdauernden, ehernen Schönheit ward es anzusehen und Theogrim lief jedes Mal ein Schauer den Rücken herab, wenn sich das Licht der strahlenden Kristalle an den Mauern und Säulen der Halle brach. Er liebte diesen Berg über alles und das, was er aus seinem Inneren hervorbrachte, geschah in Bescheidenheit und Demut. Denn er wußte um die Beschaffenheit des Berges und wer ihn erschaffen hatte und allein das war genug, um sich in den Tugenden der Zurückhaltung und Dankbarkeit zu üben. Freilich gab es viele seines Volkes, die sich von dem Wert des Metalls verleiten ließen und unmäßig waren, in ihrem Streben nach Reichtum. Schon oft hatte er versucht, Ihnen die Wichtigkeit der Maßhaltung, allein schon aus Ehrfurcht vor Ihrem Erschaffer und Beschützer, vor Augen zu führen. Es gab auch viele die seinen Worten folgten und nicht wenige, die auch die Wahrheit erkannten, die darin lag. Doch es gab immer noch zu viele, die dessen, was sie mit Ihren Händen halten und mit Ihren Augen sehen konnten, den Vorzug gaben. Und genau dieses Verhalten war es, welches großen Kummer in Theogrims Herz brachte und er betete oft zu dem Herren Arkadon, er möge seinen Brüdern verzeihen und ihm Kraft geben sie auf den richtigen Weg zu führen. Der Liebe zu Ihm und sein Streben und Bemühen, von ganzem Herzen dem Herren des Feuers zu dienen, hatte er es zu verdanken, daß er darob bald bekannt war unter seinem Volk. Manch einer kam zu ihm, um Rat zu erbitten, manch anderer um gemeinsam mit Ihm für das Gelingen eines Vorhabens zu Arkadon zu beten, andere wiederum verlachten den Glauben und sahen ihn als einen Wichtigtuer oder Sonderling an. So sehr er sich über diejenigen seines Volkes freute, welche Arkadon nacheiferten, so beschäftigten ihn die anderen und er wünschte, es gäbe die Möglichkeit einer riesigen Stätte seines Herren, einer wahrhaft majestätischen, heiligen Halle in der ein Priester des Herren sein Wort verkündete und es tausendfach widerhallen würde von den Wänden und eingemeißelt werde in die Herzen derer, die sie lauschten. Oft hatte er in letzter Zeit diese Vorstellung und jedes Mal, wenn sie ihm in den Sinn kam gefiel ihm der Gedanke besser. So auch als er nun sein morgendliches Mahl beendete und sich mit Sack und Pack auf den Weg zu den Minen machte. Draußen, außerhalb seiner Welt, erhob sich die Sonne über den Horizont und das Morgenrot lag über dem Tal und beschien den Fels. Verzaubernd und unwirklich, leuchtete das, in das morgendliche Rot getauchte Gestein. Es schien fast, als würde der Fels in Flammen getaucht und als wäre der Berg eine majestätische Flamme, gleich einer Fackel des Herren Arkadon selbst. Theogrim indes, der nichts von diesem wunderbaren Schauspiel erfahren durfte, schritt durch eine Vielzahl von Gängen und Hallen, die ihn zum Ort seiner Tätigkeit führten. Nach einem guten Stück Weges, stand er vor dem Eingang der Mine. Hier endeten die prachtvoll gearbeiteten Hallen und Gänge. Es kam unbearbeiteter Fels zum Vorschein und auch der Boden war schroff, uneben und steinig. Wie ein geöffneter Mund wirkte er, auf ewig in den Fels geschlagen und mit schweren, hölzernen Balken gestützt, welche fortwährend und mit regelmäßigen Abständen in dem Stollen errichtet worden waren. Klamm und kühl war die Luft, als er eintrat und für kurze Zeit mußten sich seine Augen an die, nur vom Schein einiger Fackeln erleuchtete, Dunkelheit gewöhnen. Doch brauchte er darob nicht innezuhalten, denn er kannte die Gänge in dem Stollen wie die Taschen seines Wams. Dumpf hallten seine Schritte von den Wänden wieder, welche seine festen Stiefel auf dem steinernen Boden mit regelmäßigem Gleichklang hervorriefen. Als die Fackelreihen an den Felswänden endeten, holte er seine Laterne hervor und entzündete sie. Nur ein paar Schritte noch, und er würde seine Arbeitsstätte erreicht haben. Schon warf das Licht trügerische Schatten voraus und entblößte das Ende des Ganges, ohne die Finsternis zu erleuchten, die sich nun mehr und mehr vor ihm auftat. Als er die große Halle betrat, waren es schwache, flüchtige Schatten, die von den Wänden der Halle flohen und dem nun fast winzig wirkendem Lichtschein der Laterne wichen, welche ein Glitzern am anderen Ende der Wand erahnen ließ. Zielstrebig näherte er sich dem Ende der Halle und tatsächlich, als der Lichtschein nun stärker auf die Felswand vor Ihm fiel, war eine funkelnde, unregelmäßig geformte Linie in der Wand zu erkennen. Es konnte sich bei dieser Ader der Erde nur um Fethril handeln, kein anderes Material würde ein solch silbriges Funkeln im Schein der Laterne hervorbringen. Theogrim hatte sein Ziel erreicht. Vor langer Zeit hatte er diese Ader entdeckt und sie sorgsam freigelegt, immer bedacht, so wenig Schaden wie möglich im Leib des Berges zu hinterlassen. Er stellte seinen Rucksack auf den großen, schweren Arbeitstisch, und öffnete ihn. Verschiedene Utensilien, Werkzeug und natürlich ein nicht zu knapper Imbiß kamen zum Vorschein. Er nahm sein Arbeitsgerät und betrachtete prüfend die Ader. Wo würde er heute mit dem Abbau beginnen? Als er, in seine Überlegungen vertieft, in der Halle stand, ward es ihm, als ob er ein leises Donnern vernehmen würde. Doch er konnte sich nicht erinnern, daß er Anzeichen eines bevorstehenden Gewitters bemerkt hatte, als er aufgebrochen war. Er runzelte die Stirn. Wenn er genauer darüber nachdachte, hatte er in diesen tiefen des Berges noch nie ein Donnern vernommen, das von einem Gewitter herrührte. Es mußte also einen anderen Ursprung haben. Als er sich stirnrunzelnd umblicken wollte, stolperte er einen Schritt nach vorne und schlug hart mit dem Kopf gegen die Felswand. Sein Werkzeug fiel ihm aus der Hand und er taumelte, die Hand auf den Kopf haltend, zurück. Was ward dies? Der Boden unter seinen Füßen schien zu schwanken, vereinzelt rieselten Staub und Steine von der Decke der Halle. Da! Ein Riß tat sich vor ihm auf dem Boden auf. Fein verlief er und schnell zog er sich von einer Seite der Halle quer über die Andere. Abermals ertönte ein mächtiges Donnern und nun donnerte es unmittelbar hinter ihm. Er wendete sich abrupt um und sah, wie der Stollen, welcher der einzige Eingang zu der Halle gewesen war zusammenbrach und die Felsmassen diesen zur Gänze verschütteten. "Wehe mir", schoß es ihm durch den Kopf, denn ihm war nun schlagartig bewußt, daß er gefangen war, wenn nicht noch schlimmer. Als er sich wieder umsah, bemerkte er das der feine Spalt, welcher sich zuvor auf dem Boden gebildet hatte, nun schon sicher drei Schritt auseinander klaffte und was noch weitaus beunruhigender war, die Halle ward in ein tiefrotes, unwirkliches Licht getaucht, welches seinen Ursprung aus dem Spalte zu nehmen schien. Mit weit aufgerissenen Augen und zitternden Füßen machte Theogrim zaghaft ein paar Schritte auf den Spalt zu und beugte sich vorsichtig nach vor, um sehen zu können, was da in der Tiefe wohl vor sich gehen mochte. Als er an den Rand der Spalte kam, spürte er eine Wärme von dieser heraufströmen, und im gleichen Moment rang er um sein Gleichgewicht, denn abermals erzitterte der mächtige Berg unter einem Donnerschlage und der Spalt klaffte weiter auseinander. Er taumelte zurück und fiel rücklings auf den Boden. Der Riß am Boden hatte nun eine beinahe elyptische Form und Theogrim spürte nun auch dort, wo er lag, die Wärme, die daraus strömte. Es schien ihm auch, als würde sich das rote Leuchten verstärken. Zitternd erhob er sich und taumelte ein par Schritte zurück, bis er mit dem Rücken an der Wand zu stehen kam, wo kurz zuvor noch der Stollen gewesen war. Mit starrem Blick und vor Angst geöffnetem Munde blickte er auf den Spalt und reglos harrte er dessen, was da kommen möge. Er muße nicht lange warten, da vernahm er ein Zischen und prasseln. Gewaltig war nun die Hitze, welche die Halle erfüllte und das Rot war nun so intensiv und hell, als würden die Wände brennen. Da sah er, wie sich die Öffnung vor ihm mit flüssigem Gestein füllte und er schloß seine Augen in der Erwartung seines Todes. Doch nichts geschah und so blickte er verwundert auf. Zu seiner Überraschung trat die Lava nicht aus dem Spalt, sondern verblieb in diesem, bis dieser an den Rand gefüllt war. Ungläubig richtete er seinen Blick nun auf die Fethril Ader dahinter, denn er bemerkte, daß das Fethril sich verflüssigte, an der Felswand herablief und sich in den glühenden See ergoß. Silbrige Streifen von leuchtendem Fethril durchzogen das flammende Rot. Zuerst schien es, als würde es sich willkürlich in diesen ergießen, doch noch im selben Augenblick ertönte ein tiefer, ächzender Laut, der Theogrim das Blut in seinen Adern stocken ließ, und das flüssige Fethril schien sich in der Lava zu formen. Hierhin und dorthin liefen silbrige Streifen und nahmen flüssige Gestalt an. Was Theogrim nun erblickte, raubte ihm fast die Besinnung, und er war nur mehr zu einem tonlosen Worte fähig. "Arkadon" hauchte er und sackte auf seine Knie, denn er sah, daß sich aus dem flüssigen Fethril nun die Umrisse eines Antlitzes geformt hatten, welches ihn mit feurigen Augen anblickte. "Theogrim" donnerte es, als sich der Mund des Wesens öffnete. "Erhebe Dich und tritt heran" gebot es und wie von unsichtbarer Hand ergriffen erhob er sich und trat bis auf zwei Fuß vor das in der Lava befindliche Antlitz heran, seinen Blick gebannt darauf gerichtet. "Theogrim" sprach es abermals und die Halle erzitterte, "Du treuer Diener deines Herren. Höre nun seine Worte und sei gewahr. Du bist von IHM ausersehen, unter allen Geschöpfen Tares, deines Herren Werkzeug zu sein in Wort und Tat. So, wie Du von IHM empfangen wirst, ist es Dir auferlegt, sein Wort und Sein weiterzutragen und zu verbreiten, allen Völkern, denen Tare Heimat ist. Verlassen wirst Du Dein Heim und Dich aufmachen an einen Ort, der Dir gewiesen werden wird. Folge stets dem Lichte deines Herren und Du wirst deinen Weg finden. Säume nicht!" Die Augen des Wesens glühten auf und es war ihm als schieße ein Strahl gleißenden Lichtes durch seinen Geist. Alle Angst und Spannung fiel von ihm ab, und sein Bewußtsein wich von ihm. Als er erwachte, fand er sich auf dem Boden liegend in der Halle wieder. Er schreckte hoch, als die Erinnerung an die Lava wieder in ihm wach wurde, doch zu seiner Überraschung ward nichts mehr von ihr zu erkennen. Dunkel war die Halle, nur ein schwacher Lichtschein trat durch eine schmale Öffnung vor ihm herein. Er rieb sich die Augen. Wie konnte das sein, dachte er bei sich. Woher konnte in den Tiefen des Berges Licht seinen Weg hierher finden? Da fiel sein Blick auf etwas rötlich schimmerndes vor ihm auf dem Boden. Langsam trat er heran und betrachtete es. Er sah etwas, daß ihn in seinem Funkeln an Fethril erinnerte, nur war dies hier rot. Es hatte die Form eines Viertelkreises, etwa ein Finger dick, welcher an der spitz zulaufenden Seite eine Einkerbung besaß. Makellos und glatt war es und als er es vorsichtig an sich nahm, bemerkte er daß es leicht und warm war und als er es sich auf seiner ausgestreckten Handfläche besah, meinte er Bewegung innerhalb des Teiles zu fühlen, unstet und fordernd wie eine verzehrende Flamme. Ehrfürchtig blickte er darauf und steckte es dann sorgsam in sein Wams. Prüfend richtete er seinen Blick nun auf den Boden. Dort, wo noch vor kurzem flüssige Lava gewesen war, konnte er nur den steinigen Boden erkennen, wie er seid jeher in dieser Halle beschaffen war, doch als er den Blick hob, erkannte er, daß dort, wo die Fethril Ader verlaufen war, ein Loch im Gestein klaffte, aus welchem der Lichtschein drang. Zweifelnd blickte er in den Spalt, doch dann kam ihm die Stimme des Wesens in Erinnerung und er sagte zu sich selbst. "Ich folge Dir, oh Herr!" Mit Mühe zwängte er sich durch den schmalen Spalt und fand sich dahinter in einem niederen Gang wieder, in welchem er, wenn auch leicht gebeugt, doch aufrecht gehen konnte. Er schritt stetig den Gang entlang und dieser führe ihn in vielerlei Wendungen stetig aufwärts. Das wahrlich seltsame jedoch war, daß nach jeder Wendung und Kehre stets das Licht vor ihm zu sehen, war, er diesem jedoch nie näher kam. Dies war für ihn ein Zeichen, daß es Arkadons Licht selbst sein müsse, welches ihn leitete und nach langer Zeit ständigem aufwärtsschreitens wehte ein frischer Wind um seinen Körper. "Arkadon, ich danke Dir" brach er hervor, als er hinaus auf ein Waldstück trat, welches seitlich in einiger Höhe an den Berg angrenzte. Tief atmete er die frische Luft ein und blickte sich um. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und nach dem Stande der Sonne mußte es um die Mittagszeit sein, wie er feststellte. Als er seinen Blick in der Gegend schweifen ließ wurde ihm in der Ferne abermals ein blitzender Lichtschein gewahr. Er neigte mit ernster Mine sein Haupt und sprach: "Ich werde nicht säumen, Herr" Dann machte er sich raschen Schrittes auf den Weg, dem Lichte seines Herren folgend.

 

Xan/Maquira
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A deseira Rhonadan spielte mit Ihren nackten Zehen im weichen Sand. Sanft bohrte sie diese hinein und schnippte dann mit einer flinken Bewegung den Sand davon. Ihr kleine, lederne Tasche hatte sie neben sich in den Sand gestellt. Sie liebte es, am Strand zu stehen und das Meer zu beobachten. Vor allem wenn die Zeit nahte, da die Sonne hinter dem Horizont zu versinken begann und alles in ein wunderbares Spektrum aus Rot tauchte. Ein warmer Wind wehte um Ihr Haar, und das Meer rauschte und zart küsste das Wasser Ihre Füße, wenn es in sanfter, stetiger Wiederkehr den Strand umspülte. Kein Ort der Welt wäre Adeseira lieber gewesen, als eben dieser hier, wo sie dem Wasser nahe sein konnte, welches sie unvergleichlich mehr liebte als alles andere. Vielleicht war der Grundstein Ihrer Liebe zu dem Meer in Ihrer Kindheit zu suchen, denn Ihr Vater war Fischer gewesen und nahm seine Tochter bereits in früher Kindheit mit hinaus auf die See. Nicht das er sich nicht um das Mädchen gesorgt hätte, aber wenn er wusste, dass Ventus seine Winde schlafen ließ und er die fragenden Augen sah, und das flehende Bitten Adeseiras sein Herz erweichte, konnte er ihr einfach nichts abschlagen. Es war ihm Lohn genug, das Leuchten in den Augen seiner Tochter zu sehen, wenn sie hinaus fuhren und die Wellen sich an dem Bug des Schiffes brachen. Rege beobachtete sie stets aus aufmerksamen Augen die Umgebung und oft fragte sie Ihren Vater nach diesen und jenen Fischarten, nach den Gezeiten und stellte auch Fragen über den Fischfang, den er Betrieb. Glücklich, seiner Tochter das weiterzugeben, was stets auch in seinem Leben eine wesentliche Rolle spielte, lehrte er sie die Zeichen des Meeres und seiner Bewohner zu erkennen und sie zu deuten, und es schien als fielen seine Erklärungen auf fruchtbaren Boden, denn Adeseira sog das Wissen, welches Ihr Vater Ihr vermittelte förmlich auf und schon während der nächsten Fahrt auf dem Fischkutter überraschte sie ihn, und zauberte ein Lächeln auf seine Lippen, indem sie das, was er ihr gelehrt, auf die Ihr eigene, kindlich liebliche Art wiedergab. Als sie heranwuchs erzählte er Ihr auch über Xan, die Schöpferin des Wassers und alles Leben in ihm. Über Ihre sanftmütiges Wesen sprach er, und das ihr alle Menschen viel zu verdanken hatten, denn sie bot Ihnen Nahrung in Form der Fische, welche ihnen reichlich in die Netze gingen. Adeseira ward immer still und lauschte mit ehrfürchtigem Staunen, wenn der Vater ihr Geschichten und Erlebnisse erzählte, die im Zusammenhang mit der Herrin Xan standen. "Sie muß wahrhaftig wunderbar sein, Vater" hatte sie einmal gesagt, als ihr der Vater von einem Erlebnis erzählte, bei dem sein Fischkutter einst in einen gewaltigen Sturm geraten war und dieser an einem Riff, draußen auf hoher See, leck geschlagen wurde. "Ich sage Dir, Kind. Nie hätte ich gedacht, dass ein Schiff so schnell von den Fluten in Xans Reich gezogen werden könnte, wie ich es damals erlebt hatte. Der Sturm tobte und wütete und die Brecher waren höher, als der höchste Baum, welchen ich jemals gesehen, und ich versuchte eine Planke oder einen anderen Teil des Schiffes zu erhaschen, doch vergeblich. Ich hatte keine Möglichkeit mich an ein Stück Treibgut zu klammern, und schwimmend das Ufer zu erreichen war eine hoffnungslose Angelegenheit. So wurde mir in diesem Augenblick schlagartig bewusst, dass dies wohl meine letzte Ausfahrt gewesen sein möge, und Xan mich nun zu sich berufen würde. Doch als schon das Wasser über meinem Kopf zusammenlief erblickte ich einen seltsam geformten, riesenhaften Fisch, welcher auf mich zuschwamm. Ich sah noch nie einen solchen Fisch in dieser Größe, es ward weder ein Hai, noch ein anderer Raubfisch der mir bekannt war. Jedoch er schwamm mit atemberaubender Geschwindigkeit direkt auf mich zu. Ich blickte in seine Augen, als er schon fast bei mir war und da fiel alle Angst von mir ab, denn ich sah, dass ich mich vor diesem Geschöpfe Xans nicht zu fürchten hatte. Es ward etwas in seinem Blick, dass ich nicht zu erklären vermag, doch ich wusste, dieser Fisch wurde gesandt, mich zu erretten. Er hatte ein, etwas nach vorne spitz zulaufendes Maul und war in etwa doppelt so groß wie ich. Seine Haut war glatt und er hatte silbrig funkelnde Streifen, die der Länge nach über seinen gesamten Leib verliefen. Er hielt bei mir an und ich ergriff mit letzter Kraft seine Rückenflosse mit beiden Händen. Dann schloß ich meine Augen und spürte nur mehr wie eine gewaltige Kraft an meinen Armen zog. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, was dann geschah, ich weiß nur, dass ich mich im Bett unseres Hauses wiederfand und Mutter besorgt auf mich herabsah. Seit damals habe ich nach diesem Fisch jedes Mal Ausschau gehalten, wenn ich in See steche, doch niemals wieder habe ich ihn je gesehen". Adeseiras Augen glühten vor Erregung als sie Ihrem Vater lauschte und ihr Finger zupften aufgeregt an Ihren Zöpfen herum. Als er geendet hatte, sagte sie schließlich: "Vielleicht war es Xan selbst, die Dir als Fisch dein Leben gerettet hat. Ich bin sicher sie war es. Sie ist wirklich wunderbar, Vater." So sprudelte es, mit dem Klang der Bestimmtheit in Ihrer Stimme, aus ihr heraus. Von diesem Moment an, wollte Adeseira alles über Xan wissen, was es nur zu erfahren galt. Auch mit Anderen sprach sie häufig über die Herrin und sog begierig neue Erkenntnisse und Erzählungen, welche sie in unzähligen Gesprächen erfuhr, in sich auf. So vergingen die Jahre und Adeseira wuchs heran, und ward sie schon als Kind nett anzusehen, so ward sie nun zu einer wunderschönen Frau herangereift. Dunkel, fast schon schwarz war Ihr Haar und es glänzte im Abendrot der Sonne, wie Kohlen in der Glut. Ihr Gesicht ward fein gezeichnet und von einer vollkommenen Ebenmäßigkeit. Doch wer in Ihre Augen sah, konnte ihrem Blick nicht lange standhalten. Blau, wie das Meer waren diese und von einer Klarheit und Unergründlichkeit, wie der weite Ozean selbst. Die Sonne näherte sich dem Horizont und Adeseira seufzte. Wie anders hatte der Tag begonnen, und was hatte sich alles seit diesem Morgen zugetragen. Wie jeden Morgen hatte sie mit den Eltern ihr Frühstück verzehrt. Ihr Vater war gut gelaunt und scherzte, er würde heute sicherlich den Fang seines Lebens machen, er meinte, es wäre ein ganz besonderer Tag. Adeseira sagte nichts, aber auf eine ganz andere Art und Weise meinte sie zu fühlen, dass dieser Tag wirklich ein ganz besonderer sei doch ihr Gefühl sagte ihr, dass es nicht so sein mochte, wie es sich ihr Vater vorstellen möge. Als der Fischkutter fertig war auszulaufen und der Vater gerade dabei war an Bord zu gehen, sprang sie schnellen Schrittes die Planke hinauf und sagte nur zu ihrem verdutzt wirkenden Vater:" Laß mich heute mir dir gehen." Er lächelte, denn obschon sie hin und wieder mit Ihm hinausfuhr, waren in letzter Zeit ihre Fahrten seltener geworden. Mehr und mehr hatte sich seine Tochter mit Leuten im Dorf und in letzter Zeit auch in der etwas weiter entfernten Stadt unterhalten, stets begierig neues über die Welt und die Herrin Xan in Erfahrung zu bringen. Ersteres missfiel ihm zwar, aber ihre Liebe zu Xan konnte der Vater nur billigen und so ließ er sie gewähren. "Nun gut mein Kind, komm. Du weißt, daß ich mich immer freue, wenn Du mich begleitest". Sie versuchte ein zaghaftes Lächeln, doch konnte sie die Sorge in Ihrem Blick nicht verbergen. Ihr Vater merkte wohl, dass etwas mit Adeseira nicht stimmte, doch vermied er es sie darauf anzusprechen, denn meist war es vergeblich und sie kam oft nachdem einige Zeit verstrichen war zu ihm und erzählte ihm ihre Sorgen oder bat ihn um Rat. Doch heute wartete er vergeblich. Seine Tochter öffnete sich ihm nicht, sie stand am Bug des Schiffes und blickte reglos auf das Meer hinaus, als würde sie auf etwas warten, nicht wissend worauf. So segelten sie, wie schon unzählige Male vorher auf das offene Meer hinaus, zu den Fischgründen, welche ihnen bereits seit sie als Fischer zu diesen Gründen fuhren, reichlichen Fang verhießen. Es war ein strahlend sonniger Tag, nur ein schwacher Wind blies zaghaft in die Segel und so ging die Fahrt langsam, aber stetig voran. Doch in des Vaters Gedanken quollen Wolken von Ungewißheit und Sorge, denn immer noch stand sein Kind wie eine Galionsfigur am Bug des Schiffes und blickte reglos auf die See hinaus. Was ist nur mit Ihr geschehen, warum war sie ihm so fremd. Natürlich hatte er den seltsamen Blick bemerkt, den sie ihm zugeworfen, doch es war nicht einfach ein Blick von Sorge, die sie hegte, das wußte er. Es mußte etwas anderes sein, das sie beschäftigte und er nahm sich vor, sie bei nächster Gelegenheit darüber zu befragen. Doch im gleichen Augenblick merkte er, daß irgendetwas vor sich ging. Es war plötzlich dunkel, viel dunkler als gerade eben und als er empor blickte, bemerkte er, daß große, schwere Wolken den Himmel verfinsterten. Als er noch verwundert die Augenbrauen runzelte, und ihm durch den Kopf schoß, wie denn in dieser kurzen Zeit ein derartiger Wetterumschwung erfolgen konnte, ließ ihn ein jäher Blitz, welcher dicht vor dem Boot scheinbar mitten in die Fluten schlug, für kurze Zeit erblinden. Er führte in einer instinktiven Bewegung seine Hand zu den Augen und kauerte sich, als er den gewaltige Donner vernahm, Schutz suchend zu Boden. Er bemerkte, daß das Schiff nun zu schaukeln begann, und es schien als würde der Wellengang sehr rasch an Intensität zunehmen. Da schoß es ihm durch den Kopf. "Adeseira!" schrie er. Er richtete sich taumelnd auf, und stolperte, immer noch halb geblendet weg vom Steuerrad, nach vorne zum Bug des Schiffes, wo seine Tochter gestanden hatte. Doch als er sich diesem näherte, drohte ihm das Blut in seinen Adern zu gefrieren. Seine Tochter ward verschwunden. Er rannte wie wahnsinnig zur Reling des Schiffes und blickte hinaus auf die tobende See. Wie nur, konnte sie über Bord gegangen sein? Sie kannte doch alle Gefahren, und wußte, wie sie sich in so einer Situation zu verhalten hatte. Suchend hetzten seine Blicke in alle Richtungen doch vergeblich suchten sie ein Anzeichen von Leben in der kochenden See. Schon glaubte er vor Sorge den Verstand zu verlieren, als sich eine jähe Flutwelle vom Bug des Schiffes kommend, näherte und es mit voller Wucht erfasste. Wie die Brandung über den Sandstand spülte, so schoß diese gewaltige Welle über das Deck des Schiffes. Dabei wurde Adeseiras Vater erfaßt und von der Reling, an die er sich geklammert hatte, losgerissen. Er wurde rücklings über das Deck geschleudert und stieß schließlich hart mit dem Kopf gegen den Mastbaum. Dort blieb er regungslos liegen. In dem Augenblick, als der gleißende Blitz vom Himmel herabschoß, geschah vieles gleichzeitig. War Adeseira schon während der ganzen Fahrt mehr und mehr in einen halbwachen Zustand verfallen, in dem ihre Gedanken auf eigentümliche Art und Weise fortgetragen wurden, zu Plätzen und Orten, die ihr seltsam vertraut waren, und die sie doch nie zuvor gesehen hatte. So erwachte ihr Bewußtsein nun schlagartig in ihr. Gerade an der Stelle, einige dutzend Schritt vor dem Bug des Schiffes, an der sich der Blitz in die See senkte, entstand ein zuerst kleiner, dann jedoch stetig und schnell anwachsender Strudel. Er wuchs zu einem tosenden Sog heran und die Gischt um ihn herum schäumte wild, durch die steigende Strömung. In dem Tosen und Rauschen der Fluten ward es ihr, als würde sie eine schwache Stimme vernehmen, und doch klangen die Worte klar und deutlich in Ihrem Geist. "Adeseira, deine Zeit ist gekommen. Tritt nun ein, in das Reich der Herrin, deren Mund und Arm Du einst sein wirst." Als diese Worte in Ihr widerhallten, überkam Sie ein unbändiges Verlangen, sich mit dem Wasser unter Ihr zu vereinen, von ihm umspült zu werden, es in sich aufzunehmen. Alle Angst vor dem Tosen, den Brechern, der Gischt, der kochenden See ward von Ihr gewichen. Sie spürte, als hätte sie ein Stummes Versprechen erhalten, daß ihr nichts geschehen würde. Und so tat Sie, was ihr Herz ihr gebot. Einige wenige Schritte, dann war sie auf der Reling, einen Augenblick des Verharrens und sie sprang in die See. Das Wasser umspülte sie, doch es war angenehm, sie empfand es wie ein freundliches Schmeicheln welches sich um ihren Körper legte, um sie zu beschützen, sie zu führen, nicht um ihr ein Leid anzutun. Sofort wurde Adeseira von dem Strudel angezogen, und zunehmender Geschwindigkeit trieb sie auf diesen zu. Schließlich wurde ihr Körper von diesem erfaßt und mit atemberaubender Kraft und Schnelligkeit in dessen Tiefen gezogen. Einige Augenblicke später, riß die dichtverhangene Wolkendecke wieder auf, der Sturm ging in einen sanften Wind über und das Tosen des Meeres verebbte. Auch der Strudel wurde in seiner drehenden Bewegung langsamer, dehnte sich in seinem Durchmesser noch einmal weit aus, jedoch verging seine Kraft und er schloß sich und verschwand. Adeseira indes wirbelte herab, drehte und wendete sich, als würden unsichtbare Hände mit Ihrem Körper ein lustiges Spiel treiben. Sie meinte, Gesichter aus Wasser und Gischt zu erkennen, die Ihr freundliche Blicke schenkten und ihr etwas zuflüsterten, daß sie nicht verstand. Sie lachten und flüsterten sich etwas zu, blickten scheinbar neugierig zu Adeseira, umstreiften sie, als würden sie versuchen wollen, mit Ihrer Berührung Adeseiras Wesen zu erfassen. Sie lächelte ihnen zu, streckte dir Arme nach ihnen aus, doch immer als sie meinte, eines von Ihnen zu berühren, ward es nur Wasser, welche durch ihre Finger strich. Sie trieb tiefer und tiefer in dem Sog herab und es wurde dunkel um sie. Das immer schwächer werdende Licht, welches von der Oberfläche spärlich herabflackerte, ging in ein Zwielicht über, und schließlich ward nichts mehr zu sehen. Adeseira bemerkte erst jetzt, dass sie die ganze Zeit über, während der Sog sie in immer größere Tiefen herabzog, und das Wasser sie umgab, ohne Probleme Atmen konnte. Sie war überrascht, ja direkt erschrocken, als sie sich dessen bewusst wurde. Wie um sich zu vergewissern, machte sie ein paar Atemzüge und, tatsächlich, sie konnte Atmen, jedoch wie war dies möglich? Als sie versuchte, sich den Grund für diese Tatsache zu erklären, merkte sie, wie sie in eine Richtung gezogen wurde. Jedoch zog sie dieser Sog nicht mehr in weiter Tiefen, nein, dieser Sog zog sie langsam vorwärts, zuerst sanft und behutsam, dann mit größerer Geschwindigkeit. Da, was war das? Es war ihr für einen kurzen Moment so, als wäre etwas lichtes an ihr vorbeigeschwirrt. Ein Lichtpunkt, welcher in der Dunkelheit wie das verführerische Leuchten eines Irrlichtes ihr einen Weg vorgaukelte, dessen einziges Ziel es war, dem Wanderer seinen Weg, sein Ziel und schließlich seiner Selbst zu berauben und ihn dem wirbelnden Strom des Vergessens zu überantworten, aus dem er nie wieder entfliehen mochte. Doch da, sie sah es erneut, und dort auch. Schließlich waren es eine Unzahl von kleinen Lichtpunkten, die sie im Wasser umherirren sah. Sie waren überall, über ihr unter ihren Füßen, vor und hinter ihr. Adeseira besah sich erstaunt die Lichtpunkte, und wenn einer sich ihr näherte, suchte sie etwas an ihnen zu entdecken, das ihr Aufschluß über ihre Beschaffenheit geben mochte. Bei einem hatte sie Glück, denn er wagte sich nah an sie heran und da glaubte sie für den Bruchteil einer Sekunde, ein wesen in diesem Lichtpunkt zu erkennen. Sie lächelte sanft, als ihr diese Erkenntnis zuteil wurde. Da bemerkte sie wie sich die Einzelnen Lichtpunkte veränderten, wie sie zueinander stießen und sich vereinten, und ihr Strahlen wurde stärker und ihr Leuchten intensiver, und sie schenkten Adeseira das Licht in der Dunkelheit und damit den Blick für etwas, das Adeseira sich niemals, nicht in Ihren kühnsten Träumen hatte erwartet. Sie sah die wunderbare, Welt Xans, welche wie ein Aquarell gemalt, das der Künstler mit den herrlichsten Farben, die man sich nur vorstellen konnte im Übermaß bedacht hatte. So trieb sie voran und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Viel zu schnell ward ihr der Sog mit einem Male, denn viel zu viel hatte sie zu schauen, und nichts davon wollte sie übersehen, alles mochte sie in sich aufnehmen, so schön ward es, und sie flüsterte zu sich: "Oh Xan, wie herrlich doch dein Reich ist, wie wunderbar musst Du selbst erst sein". Doch da merkte sie eine Veränderung an ihrer Umgebung. Zuerst nahm sie es fast nicht wahr, doch schließlich wurde es ihr deutlich. Die vorher zahlreichen Fischschwärme und Meerestiere wurden weniger und schließlich waren sie nicht mehr zu sehen. Die Pflanzen und Korallen traten nur noch vereinzelt auf bis schließlich nur mehr steiniger Meeresboden zu sehen ward. Vor ihr tat sich unvermittelt eine Kluft im Boden auf, und sie merkte wie sie hinabgezogen wurde. Für eine Weile folgte ihr der Lichtschein der Wesen, welche sie begleiteten, doch mit zunehmender Tiefe blieben sie zurück und verblassten langsam. Lange glitt sie in immer größere Tiefe und zum ersten Male seit sie das Reich der Herrin betreten hatte, machte sich ein Gefühl der Unruhe und erwartungsvoller Spannung in ihrem Herzen breit. Dieses Gefühl verstärkte sich noch, als der Sog, diese Strömung, welche sie die ganze Zeit auf ihrem Weg hinab geführt hatte nachließ und sie schließlich ohne jede Bewegung in der Finsternis zum Stillstand kam. Immer noch fühlte sie sich auf eigentümliche Art und Weise geborgen, doch das Klopfen Ihres Herzens wurde stärker und es schien ihr, als würde ihr ganzer Körper beben. Obwohl sie sich sicher gewesen war, ganz alleine an die Stelle zu schweben, ward plötzlich, nur wenige Schritte vor ihr ein gleißen in Form einer wellenförmigen Bewegung zu erkennen, welches jäh, Ihre an die Dunkelheit gewöhnten Augen blendeten. Doch weder konnte sie Ihren Blick abwenden, noch ihre Hand zum Schutze erheben. Sie blickte nur gebannt und reglos auf das, was sich Ihr nun offenbaren mochte. Das Strahlen war zu einer immensen Stärke herangewachsen, es stellte sich wir silbrig leuchtende Lichtpunkte dar, welche in steter Bewegung waren und sich ohne Unterbrechung zu verändern schienen. So formten sie ununterbrochen und in fließender Folge unzählige Gebilde, die Adeseira fremd waren, bis sie schließlich überrascht den Mund öffnete, ungläubig auf das Schauspiel vor ihr blickend. Und genau das war es, was sie nun erblickte. Ein Mund. Ein Mund, geformt aus silbrigen Lichtpunkten, strahlend und schön. Fließend, von unglaublicher Perfektion und Vollkommenheit. Tränen traten Adeseira in die Augen, angesichts dessen was sie sah und der Stimme die sie nun vernahm. Es war eine Stimme, wie sie nie wieder von einem sterblichen Wesen gehört worden ward. Sie hatte den Klang von dem Lachen einer sprudelnden Quelle, dem munteren Plätschern eines Waldbaches, dem wehmütigen Rauschen des Meeres, dem gewaltigen Sturzbach eines Wasserfalls, der sanften Umarmung von lauen Wogen am Strande. "Höre, mein Kind. Ausersehen bist Du großes zu vollbringen und dein Leben zu Geben im Dienste der Herrin Xan. Dein Herz und deine Wahrhaftigkeit in deinem Streben ist es, wodurch du Xan gefallen mochtest und so ist es ihr Wille, welcher Gesetz, Wahrheit und Leben ist, in Ihrem Reich, der Dich auserkor, diese Aufgabe zu erfüllen. Die Kraft, Weisheit und Liebe der Herrin wird Dir gegeben werden, wenn die Zeit gekommen ist, und sie wird Dich behüten, geleiten und stärken, immerdar. Du wirst mit deines Vaters Schiff frühmorgens des neuen Tages aufbrechen. Setzte die Segel und Du wirst unbeschadet dein Ziel erreichen." Der Mund verformte sich abermals und zerstob in einem funkelnden Lichtstrom, welcher direkt auf Adeseira zuschoss und sie durchströmte. Adeseira sank zusammen und verlor die Besinnung. "Vater, Vater!" Von fern her hörte Adeseiras Vater die Rufe und er dachte es wäre morgen und seine muntere Tochter wäre schon wieder einmal als erste auf den Beinen. Doch da fühlte er einen stechenden Schmerz in seinem Haupte und er zuckte zusammen. Jetzt kehrte die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse des Tages zurück. Träumte er, narrte ihn sein Geist? Wie konnte er die Stimme seiner Tochter hören, war sie doch in den kochenden See verschwunden. "Vater, so sprich doch!" rief ihn wieder Adeseiras Stimme und da öffnete er mit einem Mal die Augen und blickte direkt in das wundeschöne Gesicht seiner Tochter. "Oh, Vater, wie bin ich froh, dass Dir nichts geschehen ist. Ich habe mir solche Sorgen um Dich gemacht. Du lagst da, als wärest Du....". Sie hielt inne, konnte die Worte nicht zu Ende sprechen. "Adeseira" hustete und keuchte der Vater schwer. "Ich dachte Du wärest in der See ertrunken, ich dachte Xan hätte mein Mädchen zu sich geholt. Ich dachte, ich müsse sterben vor Kummer und Schmerz. Wie könnte ich ohne mein geliebtes Kind weiter mein Leben führen." Er streckte die Arme nach Ihr aus und umarmte sie leidenschaftlich, drückte Sie fest an sich und küsste sie auf die Wange. Tränen rannen aus seinen geröteten Augen herab. Dann blickte er sie abermals an und sprach: "Adeseira, was ist geschehen? Wie konntest Du...und was hast Du da für ein seltsames Amulett um deinen Hals?" Erst jetzt bemerkte Adeseira das Amulett, welches mit einer silbrig schimmernden Kordel um Ihren Hals befestigt war. Es schien ein Viertel eines Kreises zu sein, tiefblau war seine Farbe und als sie es berührte, war es ihr, als spürte sie Wasser und als fließe das Amulett durch ihre Finger, dennoch ward es stark und es konnte nicht gebogen oder verformt werden. Ihre Augen glitten in weite Ferne und ihre Gedanken gingen an das Erlebte zurück bis zu dem Zeitpunkt ihrer Ohmacht und ihres Erwachens auf dem Schiffe. "Ich werde Dir alles erzählen Vater, denn wenig Zeit verbleibt uns noch". Der Schrei einer Möwe riß sie aus Ihrer Erinnerung zurück in die Gegenwart. So versank sie Sonne hinter dem Horizont und Adeseira beschritt den Weg zu ihrem Heim ein letztes Mal. Am nächsten Morgen würde sie auf eine Reise gehen, von welcher Sie niemals zurückkehren würde.


Ventus / Khaleb
[Zum Anfang]

-Anm. des Autors- [Die folgende Geschichte Asaras beruht auf den Vorgaben der Homepage und wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors für die "Geschichte des Ursprungs der elementaren Orden" zur Verfügung gestellt, sei es in wörtlicher Abfolgen oder mit, von mir durchgeführten Veränderungen - Ich danke sehr dafür.]

"H ast Du Ihn gefunden, Asara?" Der kleine Eldobar blickte fragend zu seiner älteren Schwester hoch. "Ich hab schon alles abgesucht, ich kann ihn einfach nicht entdecken." Klang seine Stimme traurig, als er die Hand seiner Schwester nahm. "Dort, Eldobar, sieh doch", klang die helle Stimme Asaras als sie die Hand gen Himmel ausstreckte und auf einen besonders hellen Stern deutete. "Kannst Du ihn jetzt erkennen?" fragte sie und blickte zu ihrem kleinen Bruder herab. Er mochte etwa 6 Jahre alt sein, sie hingegen war schon fast eine junge Dame mit ihren 14 Jahren. Er stellte sich knapp hinter sie und folgte mit seinem Blick ihrem ausgestreckten Arm. "Ja, jetzt sehe ich ihn, Asara. Wieso findest Du immer alle und ich nicht?" Er runzelte Die Stirne bei dieser Frage, was Asara ein Lachen entlocke, so drollig sah er dabei aus. "Weil ich mir in deinem Alter jeden Abend den Himmel angesehen habe und Vater die selben Fragen gestellt habe, wie Du sie mir jetzt gerade stellst" lachte Asara und stupste ihrem Bruder mit dem Zeigefinder leicht auf die Nasenspitze. "Und wenn Du eines Tages so alt bist wie ich, kennst Du auch viele davon und kannst sie den kleineren zeigen. Nun komm, es ist spät und Mutter erwartet uns längst." "Ooch" schmollte Eldobar. "Ich möchte aber, dass Du mir noch ein paar andere Sterne zeigst, Asara. Bitte, biiittteee." Asara schüttelte lächelnd den Kopf und fuhr ihm sanft durch sein blondes, lockiges Haar. "Ich werde Dir noch so viele Sterne zeigen, doch nicht mehr heute. Komm jetzt, sonst überlegt es sich Mutter, ob sie uns morgen Abend wieder in den Garten lässt, wenn es Dunkel geworden ist." So nahm sie den kleinen Eldobar an der Hand und schritt mit ihm ins Haus. Etwas enttäuscht, aber durch die Hoffnung, morgen wieder etwas über die Sterne zu erfahren, ermuntert, trottete er an der Hand seiner Schwester hinterher. Silvana Himmelschein lächelte, als sie ihre Kinder durch das Fenster beobachtete und insgeheim dachte sie, dass sie doch genau nach ihrem Vater kamen, war er doch einer der eifrigsten Beobachter des Himmels und allem, was sich in die Lüfte erheben konnte, und zudem auch noch Begründer einer eigenen Akademie, welche sich mit der Thematik der Astronomie, der Wetterkunde, und noch so einiger Dinge mehr beschäftigte, welche man jedoch nahtlos in diese Gebiete miteinbeziehen konnte. Daher kam es auch, dass er oftmals Nächte in der Akademie verbrachte und nicht einmal über seine Forschungen einschlief. Doch Silvana wusste genau, dass dies sein Leben war, und auch die bedingungslose Hingabe zu dem Herren Ventus, die Ihn antrieb und stets seiner Arbeit Lohn war. Alleine deshalb liebte sie ihn und brachte ihm jenes Verständnis entgegen ohne dem, das wusste sie, er tief in seinem Herzen ein unglücklicher Mann wäre. Beider Liebe war selbstlos und darauf aufgebaut, für den anderen da zu sein und zu geben, was der jeweils andere benötigte und das war das schlichte, aber alleinige Geheimnis der wundervollen Ehe, die sie führten. Und so wuchsen auch Asara und Eldobar behütet und durchflutet von der Liebe Ihrer Eltern auf und der Same der Liebe keimte und das Wasser des Glaubens stärkte sie und so wuchsen sie heran und lebten die Saat Ihrer Eltern. So vergingen die Jahre und als Asara gerade Ihren siebzehnten Geburtstag feierte, kamen Gerüchte von der Stadt welche sie in hohe Aufregung versetzte. Es wurde erzählt, dass es eine Kreatur des hohen Herren Ventus selbst sein müsse. Riesenhaft sollte sie sein, mit monströsen Schwingen. Manche meinte, es hätte die Gestalt eines Pferdes mit Flügeln, andere wiederum sahen einen gewaltige Raubvogel, wiederum andere hatten ein Wesen, gekreuzt aus zwei oder gar drei Tieren geglaubt zu sehen. Je mehr Geschichten Asara über diese Kreatur hörte, desto weniger glaube sie an die Worte der Erzähler, was die Gestalt des Wesens betraf. Sehr wohl glaubte sie Ihnen jedoch, dass da wirklich etwas gewesen sein müsse, denn die Beschreibung des Erscheinungsortes und die Richtung der Flugbahn, waren von jedem Beobachter annähernd gleich angegeben worden. Und das war es auch, dass Asaras Aufregung nur noch vergrößerte, denn allem Anschein nach, war das Wesen zu dem Berge Ventria geflogen. Ventria, diesen Namen hatte das majestätische Gebirge verliehen bekommen, da es das Größte in dieser Gegend war und man es zu Ehren von Ventus nach seinem Vorbilde benannt hatte. Doch war es weitgehend unerforscht und schon aus Ehrfurcht vor dem Herren der Lüfte beschritt niemand die verborgenen Pfade die den Berg hinaufführten. Doch seit Asara von dem Wesen erfahren hatte, konnte sie nicht mehr ruhen. Ihre Gedanken waren zu aufgewühlt, um noch von dem Vorhaben zu lassen, welches sich in Ihrem Geist langsam aber sicher geformt hatte und dessen Ausführung sie nun bereits für sich beschlossen hatte. Sie würde sich auf den Weg zum Berge Ventria machen um dieses Wesen des Herren Ventus persönlich zu sehen, sich selbst ein Bild von ihm zu machen, und es dann allen zu verkünden. Doch wie sollte sie es Ihren Eltern beibringen? Sie würden Ihr Vorhaben nicht gutheißen. Von wegen, sie würden es nicht nur nicht gut heißen, sie würden sie einfach daran hindern, es durchzuführen. Und zwar nicht so sehr aus Sorgen um Ihr Wohlergehen, wenngleich das sicher ihr Hauptargument sein würde, sondern vielmehr wegen der Übertretung des ungeschriebenen Gesetzes, welches das Betreten des heiligen Berges des Venus seit jeher unter schwerste Verfehlung stellte. Nie würden Ihre Eltern das billigen und Asara wusste es. Also blieb ihr nichts weiter, sie musste Ihren Eltern glaubhaft machen, dass sie eine Wanderschaft anstrebte, welches ein gänzlich anderes Ziel hatte. Aber welches Ziel wäre ein glaubhaftes, in den Augen Ihrer Eltern. Sie wusste, Ihre Mutter würde jede unüberlegte Ausrede sofort durchschauen und Ihr Blick würde sie dann dazu bringen, mit der Wahrheit ans Tageslicht zu kommen. Diese Nacht schlief Asara sehr unruhig. Ständig wälzte sie sich in Ihrem Bett hin und her, murmelte im Schlaf und strampelte mit den Füßen. Doch am nächsten Morgen stand sie gutgelaunt auf und warf einen fröhlichen Blick auf die Morgensonne, welche sich soeben über dem Horizont erhob. Es versprach ein wundervoller Tag zu werden, gerade recht für Ihr Vorhaben, dachte sie. Am Frühstückstisch eröffnete sie schließlich Ihren Eltern, daß sie vorhatte alleine eine Reise zu unternehmen. Der Vater blickte sie erstaunt an, während sie Ihre Mutter nach dem Grund und dem Ziel der Reise befragte. "Oh, ich will nur Isaja besuchen" sagte sie mit einem süßen Lächeln auf Ihren Lippen. "Ihr wißt doch, Isaja verbringt ein paar Tage mit ihrem großen Bruder Leah in deren Hütte in den Rhovadan-Wäldern drüben in Lamedon." Asaras Eltern wußten wohl von der Hütte und auch, daß Leah jedes Jahr zu dieser Zeit einige Tage dort verbrachte, um den Köhlerhaufen in Gang zu bringen, während er danach von Knechten seines Vaters abgelöst wurde, denn sie besaßen nicht nur ein ansehnliches Waldstück, sonder hatten auch ein großes Gut mit reichlich Viehbestand und Felder zu versorgen. Aber auch Isaja kannten und mochten Asaras Eltern, denn sie war nicht nur Asaras beste Freundin, sie war auch von Ihrem Wesen ein äußerst liebenswürdiges Mädchen und man konnte sich stets auf sie verlassen. Nach mehreren kurzen Wortwechseln konnte Asara ihre Eltern schließlich dazu bringen, sie alleine die Reise antreten zu lassen, welche unter normalen Umständen an einem Tage zu bewältigen war. Sie packte ein wenig Proviant, tatsächlich war es viel mehr als sie Ihren Eltern preisgab, sowie Fackeln, eine Lampe und Kleidung in einen kleinen Rucksack, und zog los. Nach einem kleinen Umweg, der in der Richtung von Isajas Waldhütte lag, wandte sie sich dem Wege ab und verfolgte nun ihr eigentliches Ziel. Dem Berge Ventria und der Entdeckung des mysteriösen Wesens hatte sie sich verschrieben und sie würde Ihr Ziel erreichen, dessen war sie sich gewiß. Ein Marsch von ein paar Stunden in lichten Ahornwäldern und sie stand am Fuße des Berges, welcher majestätisch vor Ihr aufragte und dessen Gipfel wie stets von lichten Schleierwolken umhüllt war. "So" dachte sie. "Nun also beginnt meine Suche. Möge mich Ventus leiten und mir verzeihen, daß ich seinen Berg betrete" Demütig verneigte sie sich, als sie sich erinnerte, daß sie nun geheiligten Boden betreten würde, so jedenfalls war es ihr stets erzählt worden. So verstrich die Zeit Ein paar Tage schon irrte sie nun auf dem Berge Ventria, auf der Suche nach dem seltsamen Wesen, welches die Dorfbewohner hier gesehen haben sollten, herum. Da sie das Wesen immer noch nicht gefunden hatte, beschloß sie nun Ihre Rückreise über die Steinigen Wege des Berges, in der Hoffnung diesen Ort der ihr zusehends unheimlicher wurde, schnell verlassen zu können. Sie dachte, das wenn sie sich richtig des Weges besinne, sie in knapp 2 Tagen wieder zu Hause sein müsse. Doch es sollte alles anders kommen. Wegen den heftigen Stürmen die zu dieser Jahreszeit hier wüteten, mußte sie Schutz in einer kleinen Höhle suchen, aus deren Inneren, Schreie zu kommen schienen. Ward es nun der Schrei eines Lebewesens gewesen, oder narrte sie der Wind? Asaras Herz schlug heftig vor Angst, doch die Neugier und ihr Wissensdurst gewannen schließlich die Oberhand und so wagte sie sich tiefer in die Höhle hinein. Die Höhle erwies sich als wesentlich weitläufiger, als sie es sich je vorgestellt hatte. Schon nach wenigen Stunden hatte sie in ihrer Unerfahrenheit völlig die Orientierung verloren. So irrte sie nun weiter, in diesen scheinbar verlassenen Gängen umher, welche nun stetig und ohne Abzweigung in mannigfachen Wendungen mal ein wenig hinauf, mal ein wenig hinunter verliefen. Ihre Fackeln drohten zur Neige zu gehen und Ihre Laterne, das wußte sie, würde ihr nicht mehr als 3 Tage Licht spenden können. Doch sie nahm all Ihren Mut zusammen und ging stetig voran, doch im Stillen betete sie zu Ventus, er möge ihr einen Weg weisen, der sie hinaus ans Tageslicht führen würde. Als sie sich nach langen Stunden der Wanderung ein wenig ausruhte bemerkte sie, daß die Schreie, welche sie in diese Höhle geführt hatten, verstummt waren. Doch sie war sich nicht sicher, ob sie darob erleichtert war, oder ob sie aufgrund dieser Tatsache noch unruhiger war, als zuvor. Einen Tag noch, dann würde endgültig das Licht Ihrer Lampe erlöschen, das Einzige, das ihr Trost spendete in diesen dunklen, kahlen Gängen, welche seltsamer Weise immer die selben Ausmaße hatten, als wären sie nicht auf natürlichem Wege entstanden, sondern mit Absicht in dieser Größe aus dem Fels geschlagen wurden. Als Asara, schon sehr ermüdet nach abermals vieler Stunden Wanderung ohne das Licht der Sonne, eine kurze Rast hielt, bemerkte sie zu Ihrem Entsetzen, daß das schwache Licht Ihrer Lampe zu flackern begann. Einige wenige Minuten noch, dann würde es erlöschen und sie der Finsternis des Berges preisgeben und dann, so dachte sie, würde sie verloren sein. Als das Licht erloschen war, tastete sie sich geraume Zeit nur an den Wänden entlang und bemerkte, daß sie stetig Bergauf lief. Sie war bereits nahe daran, alle Hoffnung zu verlieren, als sie eine kleine Kammer in dieser Verlassenen Höhle erreichte. Hier schien ein nie verlöschendes Licht zu leuchten und auch die Säulen, welche die Wände zieren, zeugen davon das dieser Ort, etwas Besonderes sein mußte. Kunstvoll eingehauene Streifen die sich in Form von Spiralen um die Säulen rankten und die steingehauenen Bilder, welche den Sternenhimmel und einige Vögel darstellen, gaben zu erkennen, daß hier ein Meister am Werke gewesen sein mußte. Die Augen der Vogelwesen bestanden scheinbar aus Saphiren, so dachte Asara, als Ihr Blick in diesen ruhte. Nachdem sie die kleine Kammer vollständig erkundet hatte , begab sie sich zu einem großen Torbogen, welcher am anderen Ende der Kammer aufragte. Mächtig und hoch war er und er versprach Asara weitere Geheimnisse preiszugeben, sie mußte nichts weiter tun, als durch ihn hindurchzuschreiten. Aus der Dunkelheit hinter dem Tor, schienen seltsam grollende Geräusche zu kommen, doch nun war sie so weit gekommen und sie konnte nicht anders, als das Tor zu durchschreiten, zumal sie in der Hoffnung war, unweit dessen einen Weg in die lange ersehnte Freiheit und damit das Ende des Höhlensystemes zu erreichen. Zurück, das wusste sie, gab es nun keines mehr, denn wie sollte sie es schaffen, den tagelangen Weg ohne Licht und Nahrung zu bewältigen. Doch die Hoffnung gab Ihr Kraft und Mut, dass unweit dieses Torbogens vielleicht die Welt ganz anders aussehen mochte. Nach einem, verhältnismäßig kurzem, lichtlosen Gang betrat sie schließlich eine weitere kleine Kammer. In dieser befanden sich ähnliche Gebilde wie in der anderen, nur zeigten die auf Stein gemalten Karten ihr unbekannte Teile des Himmels und auch die Vögel, die aus Stein gemeißelt den Raum flankierten, hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Hier befand sich auch eine Art Altar auf dem eine Schale mit Früchten angerichtet war. Obwohl es Ihr plötzlich gewiß war, das kein Wesen, das sie kannte je diesen Raum betreten hatte, waren die Früchte erstaunlicher Weise wie frisch gepflückt. Als würde Ihr Herz es Ihr zu Gebote machen, kniete sich Asara vor den Altar und betete lange und innig ein stilles Gebet zu dem Herren Ventus und sie bat ihn, ihr die Kraft und Hoffnung zu erhalten, und Ihr einen Weg zu weisen, um dem Fels, der sie umgab, zu entfliehen. Und da fiel Ihr Blick auf ein Massives, verschlossenes bläulich schimmerndes Tor. Asara erschrak ein wenig, denn es hatte tatsächlich den Anschein, als würde das Schimmern direkt von dem Tore ausgehen und nicht etwa ein Lichtschein sein, der etwa von diesem zurückgeworfen wurde. So lenkte sie ihre Schritte langsam, fast mechanisch auf das riesenhaft wirkende Tor zu, an dem kein Riegel zu erkennen war, nur zwei Torringe, einer an jedem Flügel. Als sie unmittelbar vor dem Tore stand und langsam ihre Hand nach einem der Türringe ausstreckte, geschah es. Die Flügel beider Tore öffneten sich langsam und lautlos und gaben Asara den Blick frei, auf etwas, das nicht sehnlicher sie sich hätte wünschen können. Sie sah ein von Fels umringtes, mit Schnee bedecktes Plateau und darüber den strahlend blauen Himmel. Nur noch ein schmaler Steg trennte sie von dem Plateau, hinter dem sie nichts mehr erkennen konnte. Behutsam schritt sie darauf zu, Ihre Stiefel versanken annähernd 2 Schritt im Schnee und sie hatte Mühe, vorwärts zu kommen. Ein lautes, grausiges Grollen ertönte vom Himmel, welches den Schnee von den Felswänden herabrieseln ließ. Doch konnte sie nichts erkennen, die Sonne blendete sie zu stark. Wie aus dem Nichts, brauste ein jäher Luftwirbel auf und ein riesiges Geschöpf glitt sanft herab auf das Plateau, wenige Schritt von Ihr entfernt. Seine Flügel waren weit ausgebreitet, und seinen Kopf weit empor gehoben. Asara riß die Augen auf. Konnte sie Ihren Augen trauen? War es tatsächlich ein riesenhafter Adler, den sie da vor sich sah? Sie war sich dessen nicht sicher, denn die Spannweite der Flügeln mochte gut ein Dutzend Schritt betragen. Doch ansonsten hatte sein Körper die selben Merkmale wie jene eines Adlers, das vermochte sie zu erkennen. Es stieß einen lauten, fast schmerzhaft klingenden Schrei aus. Ein donnerndes Krachen erhob sich, der Weg hinter Asara stürzte in sich zusammen und nahm ihr so jede Möglichkeit zur Flucht. Doch wäre sie dazu ohnehin nicht im Stande gewesen, denn sie war gefangen, in dem Blick, den das Wesen nun auf Sie gerichtet hatte. Die Augen, mit denen es Asara besah, waren von solcher Bewegung und einem solchen Strahlen, dass sie sofort versuchte, wegzusehen, doch sie konnte nicht. Sie stand starr, keinen Schritt konnte sie tun, nicht einmal einen Gedanken konnte sie fassen. Da ertönte eine Stimme in Ihrem Kopfe, dass sie meinte, er würde zerspringen. Zitternd sank sie auf Ihre Knie. "So hast Du den Weg beschritten, und gefunden, was zu finden Du ausersehen wurdest. Asara Himmelschein, Du bist". Sein Atem umwirbelte sie. Stotternd und ängstlich versuchte sie ihm zu antworten. Krächzend brachte sie mit leiser Stimme die Worte hervor: "Ja, ich bin Asara Himmelschein". Es war Ihr in diesem Moment nicht klar, ob er Ihre Worte verstanden hatte. Seine Schwingen wogten zurück und wieder nach vorne. Seine Stimme erklang von neuem. "Nun Asara, was bewog Euch, diesen Pfade zu beschreiten?" Deutlich leiser und sanfter, als zuvor, verhallte allmählich die Stimme. Die Angst, welche sie ergriffen hatte, lies etwas nach und sie erzählte in Ihrer eigenen, liebenswürdigen Art Ihre Geschichte. "Im Dorf, unten am Fuße des Berges, sagten die Bewohner das ich ein seltsames Geschöpf hier finden könne. Welches sich vor einiger Zeit am Himmel gezeigt habe. Daraufhin beschloss ich, dieses zu suchen und zu Ergründen, da die Überlieferungen aus alten Zeiten noch nie ein solches Wesen beschrieben. Und ich dachte, es wäre vielleicht ein Geschöpf Ventus, von dem berichtet wurde. Aus diesem Grunde stehe ich nun vor euch." Kaum waren Ihre Worte verhallt, ertönte wieder die Stimme. "Und wer versichert dir, dass ich dich nicht auf der Stelle töte?" Sie zuckte zusammen, fasste sich jedoch sogleich und sprach: "Ich hatte gehofft, daß es einem solch majestätisches Wesen, wie ihr es seid, nicht daran gelegen wäre, mir ein Leid anzutun". Mit kindlichem, erschütterten Blick sah sie demütig in sein Antlitz. Er wirkte etwas nachdenklich und auch zurückhaltend. Seine Schwingen senkten sich langsam zu Boden und er sprach erneut zu Ihr. "Deine Worte sind weise, auch wenn du dir dessen nicht sicher sein konntest. Doch eines solltest du Wissen, dies hier ist nur eine Hülle, ein Gefäß. Ich besitze keinen eigenen Körper und doch jeden Körper den ich erwähle." Etwas nachdenklich und erschrocken, starrte sie in seine Augen die leicht bläulich schimmerten. "Und doch habt Ihr die Macht, einen solch mächtigen Körper zu kontrollieren? Seid ihr gar der Herr Ventus selbst?" Seine Schwingen hoben sich wieder empor und er richtete sich wieder auf. "Ich bin ein Gesandter Ventus, des Herrn über den Himmel und den Wind! Ich habe dich beobachtet während deiner Reise. Ich war mir sicher, dass Du es zuwege bringen mochtest, den Weg hierher zu finden, denn Du bist es, deren Aufgabe es sein möge, von nun und in alle Zeit, deines Herren Diener zu sein und Zeugnis abzulegen von dessen Sein, Werk und Worte. Stets wird die Kraft deines Herren dich umgeben und ein Quell der Weisheit, Kraft und Beständigkeit sein, denn all dies wirst Du wahrlich auf deinem Wege benötigen." Kaum verhallten seine Worte, als ein lautes Grollen vom Himmel zu vernehmen war. Er richtete sich auf und begann seine Schwingen, schneller und schneller schlagen zu lassen. Der Wind wirbelte auf eine vertraute Weise um Asara herum, er umgarnte sie auf eine sanfte Art. Sie erhob sich, vom Winde getragen, und entfernte sich langsam von dem Ort, der Ihr für immer im Gedächtnis bleiben würde. Der Wind umklammerte sie fest und zugleich sanft und brachte sie immer weiter fort von dem Gipfel des Berges. Sie atmete die frische Höhenluft tief in Ihre Lungen ein, und schaute verträumt über die Landschaft, doch dann überkam Asara eine große Müdigkeit und sie verlor sich in Ihren Träumen. Es verstrich nur eine kurze Zeitspanne, als Asara näher an eine kleine Lichtung im nahen Wald herangetragen wurde. Ihr Körper wurde von unsichtbaren Händen sanft auf den warmen Waldboden gelegt, hinter Ihr überragte hoch der Berg Ventria, in seiner ganzen Pracht das Land. Der Gipfel war, wie je, von Wolken verschleiert. Als Asara Ihr Bewusstsein zurückgewann, blickte sie sich zuerst unsicher um, doch dann lächelte sie, denn sie erkannte, dass sie sich unweit von Ihrem Elternhaus befand. Als sie sich langsam erhob, bemerkte sie an einer dünnen, bläulich schimmernden Kette um Ihren Hals, ein Amulett, von eigenartiger Form, wie sie erkannte. Es erinnerte Sie an ein Kuchenstück, nur das es sich hierbei genau um ein Viertel des Kuchens handeln müsse, denn was da an Ihrem Halse hing, war in der Form eines Viertelkreises gearbeitet. In einem hellen Blau erstrahlte es und als sie es sich genauer besah, meinte sie zu erkennen, dass das Blau von, sich immerwährend bewegenden, weißen Stellen durchzogen wurde. Es sah beinahe so aus, als ob Wolken über blauen Himmel zogen. Leicht und weder warm noch kalt fühlte es sich an, und es war vollkommen glatt, doch konnte man nicht durch es hindurchsehen. So ging Asara nach Hause und erzählte Ihren Eltern wahrheitsgemäß Ihre Erlebnisse. Es schien ihr, als würden Ihre Eltern, nachdem sie geendet hatte, gebannt auf das Amulett blicken, als würde Ihnen in diesem etwas gezeigt werden, dessen sie sich nicht entziehen konnten. Schließlich blickten sie Asara an und nickten Ihr langsam und ernst zu, fast ehrfürchtig kamen ihr die Blicke Ihrer Eltern vor und plötzlich wurde Ihr das Herz schwer, denn sie erkannte nun mit einem Male, dass es der letzte Tag sein sollte, den sie in ihrem geliebten Elternhaus verbrachte. Früh Morgens des nächsten Tages brach Asara mit dem Nötigsten zu dem Waldstück auf, zu dem sie am Vortage, vom Berge Ventria gebracht worden war. Sie stand still, gesenkten Hauptes da und betete im Herzen zu Ventus. Da erhob sich ein leichtes Rauschen in den Blättern des nahen Waldes und ein Luftstrom erfasste sie. "Herr" flüsterte sie, "Ich bin Dein...". Dann verstummte ihre Stimme im Rauschen des Windes und sie erhob sich, getragen von sanften Händen, und ward niemals mehr in Ihrer Heimat gesehen.

***Hier endet der, von mir überarbeitete Abschnitt der Geschichte von Ventus, wie er in anderer Form auch auf der Homepage des Zweiges Ventus zu lesen ist.***

 


Die Zusammenkunft
[Zum Anfang]

A sara war es, die als Erste das Tal betreten sollten, welches in naher Zukunft fortan und für alle Zeit unter dem Namen Arborlon Bekanntheit und Berühmtheit erlangen sollte. Von sanfter Hand wurde sie hinabgetragen, über die steilen Klippen hinweg, die das Tal umgaben, und es auf der dem Süden zugewandten Seite gen das Meer, in den anderen Himmelsrichtungen gen das grüne Festland, mit seiner überaus üppigen Vegetation abschirmte. Im Nordosten war ein Tosen zu vernehmen, und als Asara Ihre Blicke dorthin richtete, erblickte sie einen, in mehreren Kaskaden herabstürzenden Wasserfall, dessen Gischtwolke die von Moosen, Farnen und Sträuchern bedeckte Felswand verschleierte, und sie im Licht der Sonne in ein Meer aus Spektralfarben tünchte. Schmetterlinge in unzähliger Vielfalt und prachtvoller Erscheinung säumten die mit Blumen übersäte Wiese, welche einen kleinen See umschloß, der durch das Wasser des herabrauschenden Bergquells gespeist wurde. Es mochten einhundert Schritte im Umkreis sein, auf denen, nebst saftigen Gräsern, Blumen und Sträuchern auch eine Unzahl von Tieren beheimatet war. Sofort huschten diese, als sie Asara gewahr wurden in den Schutz der Bäume, welcher der nahegelegene Wald ihnen bot. Die Ulmen und Rotbuchen, deren Population alle anderen Baumarten in diesem Waldstück übertraf, bildeten einen schützenden Hain, der außer einer Zufluchtsmöglichkeit auch Nahrung versprach. Weiter in westlicher Richtung verlief ein kleiner Bach. Asara konnte dessen Verlauf nicht erkennen, doch mutmaßte sie, daß er irgendwo in südlicher Richtung verlaufen und dort in dem großen Meer müden mußte. Mehr vermochte Asara von ihrem Standort aus nicht zu sehen, nur so viel erkannte sie. Das Tal war ringsum von dem hoch aufragenden Gebirge eingeschlossen, und mochte es eine Schneise in diesem Massen geben, durch diese man das Tal betreten konnte, so mußte diese wohl am ehesten in östlicher Richtung zu finden sein. Als Asara sich erhob und ein paar Schritte in Richtung des Waldes tun wollte, blickt sie, als sie sich umwandte, in ein Paar Augen, welche sie auf eine unergründliche Art musterten. Umrahmt waren diese Augen von einem makellosen Gesicht, in dem der Wind Strähnen von langem, güldenen Haar tanzen lies. So trafen sich Asara und Elarion und sie hatten viel von einander zu lernen, denn nie zuvor sah einer der Beiden einen Vertreter der jeweils anderen Rasse. Elarion berichtete auch über eine Schlucht im Osten, durch welche er das Tal betreten hatte, und bestätigte somit Asaras Vermutung. Die Sonne stand noch nicht im Zenit, als Elarion im Gespräch inne hielt und an Asara vorbei blickte. Sie bemerkte wie sich die Pupillen seiner schmalen, etwas schräg stehenden Augen verengten und sie wandte sich um und folgte seinem Blick. Doch sie vermochte nichts zu erkennen und so blickte sie ihn fragend an. "Leicht sind Ihre Schritte, doch ist sie schwerer, als Ihr es seid" flüsterte er, seinen Blick noch immer ruhig auf die Stelle am Waldrand gerichtet. Asara neigte fragend ihr Haupt und Ihre Lippen formten die Worte: "Wen meint Ihr, Elarion...". Doch bevor sie noch die Frage zu Ende führen konnte, hob Elarion rasch die Hand und deutete mit einem Nicken seines Hauptes auf den Wald. "Nun könnt auch Ihr sie sehen", sagte er knapp und mit ausdruckslosem Gesicht. Sie folgte seinem Blick und erkannte eine kleine Gestalt am Rande des Waldes, doch konnte sie weder sehen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte, noch vermochte sie ein anderes Detail an der, langsam größer werdenden Erscheinung zu erkennen. Als die, in eine blaue Robe gehüllte Gestalt näherkam und nun auch Asara deren Gesichtszüge erkennen konnte, hielt sie unvermittelt inne. Doch schließlich schien sie sich zu besinnen und setzte Ihren Weg fort, bis Adeseira schließlich zu den anderen stieß und so waren es der Auserwählten drei. Langsam kam ein Gespräch in Gange, welches in dessen Verlauf deutlich von den zwei Frauen bestimmt wurde. Elarion lauschte Ihnen, schien dann im Laufe der Zeit etwas das Interesse zu verlieren und wirkte ein wenig abwesend. Doch dann schien etwas seine Aufmerksamkeit zu wecken, denn er richtete sein Augenmerk wieder auf die Stelle im Wald, an der auch schon Adeseira auf die Lichtung getreten war. Reglos lauschte er. Spannung lag in seinem Gesichtsausdruck und etwas wie ... Unsicherheit. Asara, welche gerade angesetzt hatte auf eine Frage Adeseiras zu antworten, bemerkte den Blick Elarions. Mitten im Satz brach sie ab, und flüsterte Adeseira zu: "Er hört etwas, seine Ohren vermögen Geräusche zu hören, die unseren noch lange verborgen bleiben, so wie seine Augen Dinge sehen, die den unseren entgehen." Zu Elarion gewandt fragte sie sanft: "Was ist es, dass Ihr zu lauschen vermögt, Elarion?" Er hob rasch die Hand, seine Stirne legte sich in Falten. "Ich höre schwere, holprige Schritte, obgleich sie weichen Boden betreten. Kurz und gleichmäßig kommen sie." Abermals hält er inne, schließt langsam seine Augen, als würde er versuchen wollen, die Gestalt des Wesens vor seinem geistigen Auge zum Leben zu erwecken. "Ich habe so eine Kreatur nie zuvor wahrgenommen" sprach er leise, als er die Augen wieder aufschlug. "Doch werden wir in Kürze deren Bekanntschaft machen, die Schritte kommen in unsere Richtung." Nach dieser Offenbarung Elarions verstummte das Gespräch und die Drei blickten erwartungsvoll an die Stelle am Waldrand, wo das Wesen, dessen Schritte Elarion vernommen heraustreten würde. Sieheda, schon nach kurzer Zeit löste sich aus dem Umriß des Waldes ein kleiner Punkt, mehr war für die Frauen nicht zu erkennen. Elarions Augen jedoch verengten sich ein wenig um sich dann, scheinbar vor Erstaunen zu weiten. Es schien, als würde der Anflug eines Lächelns über seine Lippen huschen. "Elarion, was seht Ihr?" wollte Asara wissen, die unruhig zwischen dem Punkt am Waldesrand und Elarion hin und her blickte. Doch Elarion schüttelte langsam sein Haupt. "Meine Worte würden nicht genügen. Wartet und sehet selbst." Diese Antwort war keine Beruhigung für Asara und in Ihrem Geiste formten sie die unglaublichsten Gebilde, wie das Wesen wohl aussehen möge, welches in Kürze auf Ihre Gemeinschaft stoßen würde. Doch ungläubiges Erstaunen hielt in den Gesichtern der Gemeinschaft Einzug, als Theogrim nun endlich vor Ihnen stand, denn wohl hatte Adeseira schon vom Zwergenvolke gehört, einen Vertreter dieser Rasse hatte jedoch noch keiner der Drei jemals persönlich gesehen. Es stellte sich heraus, daß es zu Anfangs nicht leicht war, etwas von dem Zwergen zu erfahren. Verschlossen gab er sich und betrachtete die Anderen mehr mit Mißtrauen und Zurückhaltung. Ein wenig abseits der Anderen ließ er sich nieder und lauschte aufmerksam dem, was sie miteinander sprachen. Da fiel ihm ein Schimmern, nahe an Adeseiras Hals auf , als sie sich ein wenig vorneigte und er meinte, die Form eines Amulettes zu sehen, die dem seinen glich. Von diesem Augenblick an, ward Vertrauen in seinem Herzen erwacht und er trat näher zu den Anderen und ergriff dann schließlich das Wort. "Ich habe mir bevor ich diesen Ort aufgesucht habe, das Tal, oder sagen wir, das umgebende Felsmassiv ein wenig genauer angesehen" berichtete Theogrim. "Es gibt einen Teil im westlichen Gebirge, welcher etwa in einem Halbkreis einige dutzend Schritt in das Tal hereinragt und als ich mir die Stelle genauer besah, entdeckte ich etwas sehr interessantes." Er hielt inne und blickte mit einem schelmischen Lächeln in die erwartungsvoll gespannten Gesichter der anderen. "Nun, ich weiß nicht ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, doch ich nehme an, ich bin nicht der Einzige unter uns vieren, welcher ein derartiges Amulett erhielt." Bei diesen Worten zog er sein rot glitzerndes Amulett hervor und hielt es in Augenhöhe hoch, so daß die anderen es sehen konnten. In der Tat ward es so, daß sie alle ein, in der Form gleiches, doch in seiner Beschaffenheit völlig unterschiedliches Amulett erhalten hatten und als sie die Viertelkreise zusammenfügten, konnten sie erkennen, daß diese perfekt zusammenpaßten, bis auf eine Kleinigkeit. Jedes Amulett hatte an der zulaufenden Spitze eine Einkerbung, in der Form eines gleichschenkeligen Zackens und als die Teile zusammengefügt wurden war zu erkennen, daß im Zentrum des nun vollständigen Kreises ein leerer Raum in der Form eines vierstrahligen Sternes zu sehen ward. "Das ist es, was ich sah", brach Theogrim hervor. "Ich sah vor diesem Felsvorsprung im Westen einen Stein in runder Form, welcher in etwa einen Schritt aus dem Boden ragte. Oben auf dem Stein ward eine Vertiefung in Kreisform wie von Meisterhand gemeißelt, welche einen hervortretenden Stern in dessen Mitte umgab". Einer blickte in das Gesicht des Anderen und so beschlossen sie, gemeinsam loszuziehen, und den Ort aufzusuchen, von dem Theogrim berichtet hatte. Da die Talsenke in Ihrem Durchmesser so klein war, daß man sie in zügigem Marschtempo in recht kurzer Zeit durchqueren konnte, dauerte es nicht lange bis sie besagte Stelle erreicht hatten. Doch war die Sonne nun schon beinahe auf gleicher Höhe mit dem Horizont, den die schroffen Zacken des Gebirges für alle in diesem Tal lebenden Wesen bildete. Es war, wie Theogrim es beschrieben hatte. Sie befanden sich nun vor dem besagten Felsvorsprung und in etwa ein halbes dutzend Schritt davor befand sich der, aus dem Boden ragende Stein, welcher völlig glatt erschien, als sei er von einem Steinmetz poliert und dann erst hierher gebracht worden. Zaghaft näherten sie sich und als sie im Halbkreis in etwa einem Schritt Entfernung von ihm standen, sahen sie die beschriebene Form an der Oberseite des zylinderförmigen Steines. Theogrim sagte nach einer kurzen Pause: "Ich vermute, Ihr denkt, was ich denke" und blickte fragend in Ihre Gesichter. Die Anderen nickten knapp mit ernster Mine und Elarion sprach leise: "Hierher nun wurden wir geführt von der Vorsehung unserer Herren. So laßt uns also vollenden, den ersten Schritt unseres Weges, welcher ein Anfang ist und eine Ende für jeden von uns". Mit diesen Worten holte er sein Amulett hervor. Es schimmerte in einem intensiven grün, wie er es noch nie vorher beobachtet hatte. Dann legte er auf den Stein. Die Einkerbung paßte genau in einen der Zacken und auch die runde Seite fügte sich, als wäre sie einst dem Stein entrissen worden. Sodann trat Adeseira hervor, ihr Amulett bereits in Händen haltend und legte es, in ein blau strahlendes Licht getaucht, in den nächsten Zacken des Sternes. Dann trat sie zurück. Nun war es an Asara, vorzutreten und ein weiteres, strahlendes Kleinod in die nächste erwartungsvoll harrende Fläche zu legen und damit den Kreis zu erweitern. Theogrim schließlich atmete tief und schritt langsam voran, sein leuchtend rotes Amulett in zittrigen Händen haltend. Als er sich näherte, spürte er bereits einen starken Sog, der das nun einzig fehlende Stück, welches den Kreise schließen würde, begehrte. Zitternd, mit geweiteten Augen beobachtete er, wie seine Hand sich ohne sein Zutun dem Stein näherte und er den letzten fehlenden Teil des Ganzen ohne einen Laut in die freie Stelle einfügte. Erschrocken trat er zurück, denn wie die anderen auch, vernahm er etwas, daß ihn an einen tiefen Seufzer erinnerte. Doch wußte er instinktiv, dieser war nicht von jener Welt. Dann wurde es mit einem Male totenstill. Selbst Elarion blickte sich beunruhigt um, denn kein Geräusch drang an sein Ohr. Doch da wurde aller Aufmerksamkeit wieder auf den Kreis der Amulette gerichtet, welcher die Einigung und den Zusammenschluß der Elemente symbolisierte, denn nunmehr legt sich ein schwacher Schleier über diesen, und es erschien, als würden die einzelnen Amulette in einander übergleiten, wie wenn ein unsichtbarer Finger die Farben der Selben ineinander mischen würde. Sie schienen Ihre Form zu verlieren und zu verschmelzen in einem großen Ganzen und sie erstrahlten mit einer derartigen Intensität, daß das tanzende, farbige Licht sich an den Felswänden und in den Gesichtern der Viere widerspiegelte. Ward die Zeit so rasch vergangen, daß die Sonne sich bereits hinter den Berg begeben haben mochte? Sie wußten es nicht. Doch in der nun rasch hereinbrechenden Dunkelheit wurden, durch das Brodeln der sich entladenden Energie der Amulette, bizarre Gestalten geboren, welche sich ebenso schnell wieder auflösten, wie sie gekommen waren. Ein dumpfes unheimlich langes und tiefes Grollen erhob sich, und es schien seinen Ursprung in den Bergen um Ihnen, im Boden unter Ihnen und auch in der Luft, die sie umgab zu haben, so gewaltig und allgegenwärtig ward es, und es wurde immer lauter und bedrohlicher, daß sie sich schließlich die Ohren mit beiden Händen bedeckten und auf Ihre Knie herabsanken. In diesem Augenblick geschah es. Aus dem brodelnden Kelch der Amulette schien sich eine Gestalt zu formen. Langsam sich stetig unter ständigem Winden sich formend erhob sie sich aus diesem. Weder Ihre Umrisse waren zu erkennen, noch die Farben, welche sich stetig in der Form veränderten und sie in sämtliche Richtungen auseinanderzuziehen schien, als wollten sie sich Platz in einem Wesen verschaffen, daß diesen nie würde bieten können, um deren Bedürfnis gerecht zu werden. So wuchs die Gestalt heran, bis sie in Ihrer Größe ein zwei bis dreifaches von Elarion darstellte. Immer noch ward sie der ständigen Veränderung unterworfen doch es war Ihnen nun, als würden sich aus der Masse Extremitäten formen. Doch was war das für ein Wesen, welches die Stunde seiner Geburt mit den Auserwählten teilte? Es schien entfernt menschenähnlich zu sein, doch war dies eine sehr wage Behauptung, besah man sich die Gestalt, die nun zum Leben erwachte. Die Energie, die sie durchströmte, die sie am Leben erhielt, schien es nicht zuzulassen, daß das Wesen eine feste Form annahm. Sobald sich scheinbar ein Haupt aus Erde und Holz zu bilden versuchte, wurde es von Augen und Haaren aus Feuer verzehrt, die, zuerst wie vom Winde angefacht, schließlich in dem Wasser erstarben, welches nun sein Recht zu erlangen strebte und sich an Teilen des Kopfes und Körpers zu manifestieren suchte. So verhielt es sich auch mit den Gliedmaßen des Wesens. Kaum erlangten sie die Form eines der Elemente, umschloß es die gleißend fließende Kraft und löste die Manifestation des Elementes in sich auf. Alleine die gleißend weißen elypsenförmigen Einschlüsse, welche Anstelle der Augen in dem Gesicht zu erkennen waren, sowie der etwas länger gestreckte Mund, welcher in seiner Form den Augen ähnelte, waren dieser Veränderung nicht unterworfen. Die Geburt dieser Kreatur, geschaffen aus den Elementen der Herren war vollzogen. Gewaltig, riesenhaft wirkte sie, eine unglaubliche Kraft und Mächtigkeit ging von Ihr aus und die Gemeinschaft der Auserwählten harrte wie zu Stein erstarrt, als hätte alleine dieses Wesen die Macht, den Bann, der sie umgab zu lösen. Es vergingen einige Augenschläge und die Zeit schien für alle stillzustehen, dann erhob sich mit einem Male ein Windstoß und das Wesen begann langsam auf sie zuzuschweben. Sein in diesem Moment feuriges Haar flackerte und knisterte dabei und Bewegung kam in den Körper. Von einem surrenden Laut begleitet, schien er sich doch mühelos und ohne Anstrengung zu bewegen. Der Körper glitzerte nun in einem kalt leuchtenden Blau, als es wenige Schritt vor Ihnen zum Stehen kam. Dann sprach das Wesen und seine Worte waren durch die Kraft und die Essenz der reinen elementaren Macht getragen. Es schien den Auserwählten, als würde seine Stimme nicht an Ihre Ohren dringen, sondern direkt in Ihre Herzen und dort Ihren Platz fordern, um Ihnen gegenwärtig zu sein, den Rest Ihres Lebens. "So erfüllt sich nun durch Euch der Wille der elementaren Hoheiten in deren Dienst Ihr Euer Leben gelegt habt. Seid Euch stets gewahr, Ihr seid auserwählt, als direktes und oberstes Bindeglied zwischen IHNEN und den Völkern Tares. Rechtfertigt das Vertrauen, welches in Euch gelegt wurde, durch Eure Worte und Taten und es wird der Strom der heiligen Kraft nie versiegen und Ihr werdet beschenkt auf eine Weise, die weit über dem liegt, was Euer Geist zu erfassen vermag. Sehet nun die Heiligen Hallen des Tempels. Verschlossen waren Sie über lange Zeit, doch heute ist die Stunde gekommen, da zu neuem Glanz sie erstrahlen und zu Ruhm und Ehre werden sie ihren Schöpfern gereichen auf alle Zeit. Schutz und Zuflucht werden sie den Getriebenen bieten. Erkenntnis, denen die suchen. Liebe, denen die reinen Herzens sind und Hoffnung, denen die Sorge im Herzen tragen." Mit einer brausenden Bewegung wandte das Wesen sich um und streckte seine Arme gen den vorspringenden Felsen aus. Die Luft erfüllte sich knisternd mit Energie von unbeschreiblicher Kraft und aus den ausgestreckten Armen schossen zuckende Fäden greller, weißlich blitzender Energie. Sofort wurde der Fels davon eingehüllt. Als wären sie lebendig, verliefen die Fäden über das rauhe Gestein, suchend, nach einem Eingang in diesen. Die Energie breitete sich jedoch nicht willkürlich aus, sondern legte sich in Form eines großflächigen, rechteckigen Feldes über den Fels. Wild zuckten die Fäden, als würden sie an dem Gestein zerren, vorsichtig und doch bedingungslos. Alsbald verstärkten sich die fließenden Bewegungen bis die gesamte Fläche unter diesen eingehüllt schien. Ein Surren unbändiger Kraft wurde hörbar, noch immer schoß Energie von der Elementaren Erscheinung auf den Fels und in einem markerschütternden Knacken, brach der Fels in tausende kleine Gesteinsbrocken auseinander, und legte eine Öffnung an der Stelle frei, an der die Energie den Fels gebrochen hatte. Die Energiefäden brachen jäh ab und mit donnernder Stimme sprach das Elementarwesen: "So sei es jedem allezeit gewahr, an welchem heiligen Orte er sich befinde". Abermals schoß reine Energie aus seinen Armen und legte sich auf eine kleine Fläche oberhalb der Öffnung im Fels. In Windeseile glätteten die Fäden den Fels und formten vier Zeichen darauf, auf daß sie jedem, der die Hallen betrete zur Erinnerung und Mahnung gereichen. Es waren die Zeichen der vier elementaren Herren, wie den Auserwählten später offenbart werden sollte. Sie glänzten und brannten in unterschiedlichen Farben, als würden die Zeichen leben, als wären sie lebendiger Teil des Berges, der sein Geheimnis wohl bewahrte. Dann ließ er seine Hände herabsinken, die Luft immer noch knisternd ob der Energie, die ihrer Hülle entwichen war und alles um sich herum mit einem prickelnden Gefühl umgab. Nur ein sanfter Windhauch war zu spüren, als sich das Elementarwesen wieder den Gefährten zuwandte und ein letztes Mal seine Stimme erhob. "Nun habe ich erfüllt, wozu geschaffen und berufen ich einst wurde. Noch eines ist jedoch geboten, welches zu vollbringen meiner Macht obliegt. Die Vorsehung birgt die Offenbarung in sich, welche Euch, die Ihr die Auserwählten seid, nun zuteil werden soll". Nach diesen Worten verstummte es, und die Gefährten sahen, wie es langsam seine Arme hob. Ein letztes Aufflackern des lodernden Feuers, ein letztes Aufblitzen der Augen, ein letztes Stöhnen seines Leibes, dann umfing sie die Kraft und sie durchdrang ihren Geist, ihr Herz und nahm ihr Bewußtsein. Als Adeseira erwachte, spürte sie die angenehme Wärme der Morgensonne in Ihrem Gesicht. Ein leiser Windhauch brachte Ihr den Duft der Blumen, inmitten deren sie sich liegend fand. Zaghaft blinzelte sie, sich langsam auf Ihren Arm stützend und unverwandt die Umgebung betrachtend. Mit einem Ausdruck des Erstaunens stellte sie fest, daß Ihre Gefährten bereits erwacht waren und nun ein karges Mahl aus Ihren Vorräten miteinander teilten. Elarion bemerkte als erster, daß Adeseira erwacht war und winkte Ihr freundlich lächelnd zu, doch in Ihren Kreis zu kommen. Daraufhin gab Theogrim Ihr den Anteil an dem Mahl, das ihr von Ihnen aufbewahrt worden war. Sie nahm es dankbar und aß es langsam und bedächtig, während Ihre Gedanken bei den Geschehnissen der vergangenen Nacht waren. Keiner sprach etwas an diesem Morgen, nur Elarion richtete mit ernstem Gesicht verstohlene Blicke auf Adeseira. Er versuchte zu erkennen, wie er es bei den Anderen auch getan, ob Adeseira bereits die Offenbarung erkannt hatte, die sie erfahren hatten. Doch wie bei den anderen auch war es Ihr noch nicht bewußt geworden, das erkannte er. Als er es bei sich bemerkte, wurde er von dem Gefühl fast überwältigt und nur mit größter Mühe und seinem immensen Willen war es ihm gelungen, die Oberhand über sich zu bewahren und vorsichtig tastend die Wahrheiten zu ergründen, die nun unauslöschlich in ihm waren. Immer tiefer tauchte er hinab in seinen Geist und Erkenntnisse wurden ihm bewußt, die seine Sinne schwinden ließen. So zwang er sich schließlich dazu, nicht weiter in sich selbst zu graben, da er beinahe die Grenze überschritten hatte, bis zu der er es zu ertragen vermochte. Er mahnte sich selbst, vorsichtig zu sein und immer kleine Stücke dessen freizulegen, daß ihm und seinen Gefährten geschenkt worden war. Auch wollte er den anderen bei der Entdeckung der Gabe beistehen und sie davor bewahren zu tief in ihr Innerstes hinabzugleiten und dabei Gefahr zu laufen sich zu verlieren. Er wurde von Theogrim aus seinen Gedanken gerissen, als dieser sich erhob und der Gemeinschaft mit wenigen Worten zu verstehen gab, daß er es nun für die rechte Zeit hielt, die "heiligen Hallen" wie das Elementarwesen sie beschrieben hatte, zu betreten. So schritten sie alle zusammen durch den Eingang, welcher sie hinein in das Innere des Berges führte. Nachdem sie einen kurzen, dunklen Gang hinter sich gelassen hatten, blieben sie staunend vor eine gewaltigen Halle stehen, die sich vor Ihnen auftat. Der Boden war mit Platten von edlem Marmor versehen. Mächtige Säulen von drei Schritt Durchmesser stützten die Halle in zwei Reihen. In jeder Reihe standen vier Säulen, welche mit Ornamenten verziert waren. Schalen, zu allen Seiten der Halle in denen ein helles Feuer brannte, erleuchtete diese. Glatt waren die Wände. Der polierte Stein brachte seine Maserung in all seinen Facetten hervor. In der Mitte ragte ein runder, glatter Stein aus dem Boden, ähnlich dem, in welchen sie ihre Amulette gelegt hatten. Als sie sich staunend dem Stein näherten erkannten sie in diesem ein leuchtendes Abbild dessen, was noch allzu gut in ihrer Erinnerung haften geblieben war. Sie sahen den Kreis, der die vereinten Amulettstücke darstellte und es ward Bewegung in diesen, der die Grenzen der Teile verschwimmen ließ und sie so mit den anderen vereinte, ohne ihre eigene, reinste Art zu beeinflussen. Ein Quell der elementaren Kraft stellte es dar, geschützt und behütet von einer Schicht durchsichtigen Materials, dessen Herkunft ihnen unbekannt war, doch nichts war dazu in der Lage es zu verletzen oder gar zu durchdringen. Vier Türen waren zu sehen, eine jede mit zwei Flügeln und massiven Türringen versehen. Schlösser waren an Ihnen keine zu erkennen. Zwei von den Türen waren an der Gegenüberliegenden Seite vom Eingang der Halle gelegen, die anderen Beiden jeweils links und rechts davon. Völlig unbewußt gingen die Gefährten auf die Türen zu, doch führten sie Ihre Schritte jeweils zu einer anderen Türe. Sie öffneten sie voll Ehrfurcht und betraten die dahinterliegenden Tempelhallen Ihres Herren.

 

 

EPILOG
[Zum Anfang]

H ier endet die Erzählung vom Anbeginn der Geschichte des ersten, ursprünglichen Ordens der Elementaren Herren. Viel Arbeit und Mühe kostete es den Auserwählten in den ersten Jahren nach der Gründung des Ordens, doch wurden sie von den Herren unterstützt. Theogrim nämlich, fand in der heiligen Tempelhalle des Ignis wie durch ein Wunder eine kleine, aber wie sich herausstellte recht ergiebige Goldader. Dadurch war es Ihnen möglich, jederzeit Ihre Unabhängigkeit zu bewahren, und sie errichteten in dem Tale ein Ordenshaus, welches Ihren Bedürfnissen zur Genüge kam und Ihrer Bescheidenheit zur Ehre gereichte.

 

 

 

 

 

 

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